Home Arbeitsunfälle (12/2009)

Rute&Rolle-Logo

Jagd und Hund 2012
Fishing Festival
Arbeitsunfälle (12/2009)

 

Tobias Norff
Tobias Norff
Achtung: Diesmal geht’s blutig und grausam zur Sache in dieser Rubrik. Jugendliche unter 16 Jahren und allzu zart besaitete Gemüter sollten lieber gleich weiterblättern. Es wird Blut fließen – viel Blut! Es geht um Arbeitsunfälle. Die gibt’s in jeder Branche: Der Fensterputzer fällt vom Gerüst, der Dachdecker vom Dach, Schreinerfinger treffen auf Kreissägen, Metzgerfinger auf Schlachtermesser. Steine fallen auf Maurerfüße, Beamte verletzen sich an Bleistiftanspitzern. Der Beruf des Redakteurs scheint angesichts solch gefährlicher Tätigkeiten harmlos. Doch das gilt nicht für Angel-Journalisten! Das durfte ich vor ein paar Tagen mal wieder am eigenen Leib erfahren. Und wenn dieser Text ein paar mehr Tippfehler enthält, als Sie von uns gewohnt sind, dann liegt das daran, dass ich ihn gerade unter Ausschluss des rechten Daumens in die Tastatur hämmere. Vor einer Woche in Schweden: Unser Guide vor Ort fängt einen Meterhecht. Der Köder sitzt tief. Während der Guide mit der einen Hand den Hecht hält und mit der anderen die Kiefer des bezahnten Schnabeltiers auseinander hält, mache ich mich mit der Zange ans Werk. Das blöde Gerüttel am Drilling gefällt dem Räuber gar nicht. Wild schüttelt er mit dem Kopf. Meine Hand steckt noch drin. Vor lauter Schreck mache ich natürlich genau das, was man nicht machen soll: Ich reiße schnell die Hand weg. Auf seinem Weg nach draußen begegnet vor allem der Daumen etwa zweihundert rasiermesserscharfen Zähnen. Ich schreie auf. Sofort schießt das Blut aus meinem durch den ständigen Regen völlig aufgeweichten Finger, der nun einem Stück Hackfleisch gleicht. Die Pflaster – eigentlich Standard beim Hechtangeln – liegen warm und trocken in der Hütte. Bis der Guide irgendwo im Boot eine Rolle schwarzes Isolierband findet, verliere ich schätzungsweise eine Kaffeetasse Blut. Also fix ein paar Lagen stramm um den Daumen gewickelt – scheint zu halten. Wie lange ist die letzte Tetanus-Impfung eigentlich her? Hm, da war ich wohl noch in der Schule. Es pocht in meinem Daumen – egal, weiterangeln! Hier ist schließlich Fisch. Passiert ist weiter nichts. In einigen Tagen wird der Daumen wieder zu benutzen sein. Ein paar neue Narben auf den Fingern, was macht das schon. Mal wieder Glück gehabt. So wie der Kollege Arnulf, dem ich vor ein paar Jahren beim beruflichen Hechtangeln mal einen niedlichen, dickdrähtigen Drilling der Größe 8/0 mit dem Seitenschneider abknipsen durfte, weil er einmal quer den kleinen Finger durchschlagen hatte. Am anderen Ende tobte übrigens noch ein 80er Hecht! Oder Siegi, der sein Filetiermesser während einer Ausfahrt zum Gelben Riff gekonnt am Dorsch vorbei bis zum Heft in seinen Unterarm geschoben hat und um ein Haar verblutet wäre. Oder Sven, der mit einem Testkajak in der dänischen Südsee fast sein nasses Grab gefunden hätte. Oder Christopher oder Matthias oder Elmar... Kurz: Eigentlich ist es ein Wunder, dass alle hier in der Redaktion noch im vollständigen Besitz ihrer Gliedmaßen sind und das noch niemand während einer Dienstreise ums Leben kam. Wünschen Sie uns Glück – auf das es noch lange so bleibt! Tobias Norff

 

 

 
 
Joomla 1.5 Templates by Joomlashack