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Holger Bente
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EFFTEX – die größte europäische Angelmesse. 2007 in Prag. Gut, vielleicht hätten wir diese Reise anders beginnen sollen. Vielleicht hätten wir nicht am Flughafen Prag am Parkscheinautomaten versuchen sollen, tschechische Kronen zu ziehen (sah’ aber echt nach EC-Automat aus!). Vielleicht wäre nicht der junge Mann dadurch auf uns aufmerksam geworden, der uns zu einem Festpreis bereitwillig ins Hotel kutschieren wollte. Vielleicht sind die Taxen in Prag auch nicht als solche gekennzeichnet und verfügen über keinen Taxameter. Nach zermürbender Fahrt bei schwülen 35Grad das erste mal ein Hinweisschild mit dem Namen unseres Hotels. Wir erblicken einen barackenhaften Plattenbau in altrosa dahinter. Um Gottes Willen, wer steigt bloß in so einer Kaschemme ab? Augenblicke später die Antwort: Wir! Das Schild war also kein Wegweiser – Schild und Gebäude gehören zusammen! Immerhin gehen äußere Erscheinung und Inhalt Hand in Hand: Klimaanlage defekt. Frühstück unterstes Jugendherbergsniveau, Shuttleservice vom Hotel zur Messe sporadisch. Also wieder mit Taxi zur Messe. Was auf den ersten Blick wie eine moderne Zuchtanstalt für Rassegeflügel anmutet, entpuppt sich als kürzlich erbautes Messezentrum: Wellblechhallen, nicht klimatisiert. Nächste Aufgabe: unsere angelieferten Hefte auf den Ständen verteilen. Draußen (!) vor der Messe finden wir die Palette. Zwei Stunden vergehen, bis wir
Hostessen finden, die unsere Hefte verteilen. Vorher laden Kollege Six und ich in sengender Hitze die Heftpakete von der Palette. Schweißnass starten wir unseren ersten Messerundgang. Es regnet inzwischen. Nebenbei erfahren wir, dass unsere Hefte immer noch nicht verteilt wurden und draußen im Regen stehen! Wieder zurück. Hefte retten! Nach ein paar weiteren Kundenterminen ist der erste Tag vorbei. Vor den Hallen hunderte von Messegästen, die auf Bus oder Taxi warten. Busse allesamt total überfüllt. Interessant das Verhalten der Taxifahrer. Sie kommen an, halten, steigen aus und rauchen eine oder unterhalten sich mit Kollegen. Kaum einer nimmt Fahrgäste mit. Sind die vielleicht alle vorbestellt? Alle meine Anfragen stoßen auf Ablehnung. Mein Gott, habe ich so stark geschwitzt? Ich organisiere die Nummer einer Taxizentrale und bestelle eines. Kaum zehn Minuten später sehen wir das Taxi 50 Meter entfernt in die Haltebucht einbiegen. Plötzlich rennt ein Messebesucher auf das Taxi zu, stoppt es, wechselt einige wenige Worte mit dem Fahrer, steigt ein und Taxi weg. Meine Halsschlagader schwillt an. Mir reicht’s! Ich renne auf das nächstbeste Taxi zu und versuche dem Fahrer radebrechend klarzumachen, dass er die Wahl hat zwischen einer Taxifahrt zu unserem Hotel und einem Ritualmord. „Nejn, niiicht wejt genuch. Farre nur in Ihnenst att.“ Kompromiss: Er fährt uns ins Hotel, wir geben kurz Taschen ab, duschen nicht (Wahnsinn, wie saugfähig ein normales Hemd sein kann ) und fahren mit ihm weiter in die Innenstadt. Etwas Essen, drei Bierchen zischen und schon ist man müde. Zurück geht’s die zwanzig Minuten im Taxi. Ähem, nee, stimmt nicht ganz. Zwanzig Minuten war die Hinfahrt. Die Rückfahrt dauert schlappe eine Stunde und 40 Minuten! Der Grund: der Taxifahrer kennt das Hotel nicht, spricht kein Wort Englisch oder Deutsch, hantiert an jeder Kreuzung mit einem Tempotaschentuch großen Stadtplan und stellt mir anscheinend nur aus Konsonanten bestehende Fragen. Immerhin zahlen wir nur für Zwanzig Minuten. Beim Aussteigen bekomme ich einen Hexenschuss und humpel fortan krumm über die Messe. Vielleicht hätten wir uns morgens vor dem Parkscheinautomaten schon umdrehen und den Flieger zurück nach Hamburg nehmen sollen. |
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