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Die spinnen, die... (05/2008)

 

Holger Bente
Holger Bente
Frühjahr ist Messezeit! Ein absolutes Highlight jedes Jahr ist die IWA & Outdoor Classics in Nürnberg. Gemeinsam mit dem Kollegen Sven Klöer fahre ich nunmehr schon zum sechsten Mal zu dieser Fachmesse für Jagd- und Sportwaffen, Outdoor und Zubehör. Der Anfang ist wie immer Routine: Pressecenter aufsuchen, Tasse Kaffee bereitstellen, Hallenplan studieren, interessante Firmen und Kunden im Messeverzeichnis notieren und schon geht’s auf ins Gewühl ...
Und sofort ist es wieder da: dieses eigenartige Gefühl, als „normaler“ Mensch und auch als Angler eine völlig andere Welt zu betreten: Beim Passieren des Messestands von Smith & Wesson und den Vitrinen mit Magnum-Revolvern spuken mir noch Clint Eastwood-Bilder aus alten „Dirty-Harry“-Filmen durch den Kopf, als wir plötzlich ganz deutlich Tierlaute vernehmen. Hörte sich erst wie eine Gans an. Nee, jetzt ist’s doch eher ein röhrender Hirsch ... und dann wieder Enten. Tiere? Hier?! Vor Neugier brennend folgen wir dem Geräusch und finden ... Holzpfeifen, seltsame Plastikrohre, die es auch im Baumarkt gibt, und ähnlich profane Gegenstände, denen an einem Messestand das Standpersonal so ziemlich jedes Geräusch entlockt, das man in Feld und Wald jemals gehört hat. Staunend ziehen wir weiter. Die spinnen, die Jäger.
Weit kommen wir nicht. Vor uns versperrt eine Menschenmenge den Gang. Alle blicken gebannt auf einen Breitbild-Fernseher, auf dem ein Profi demonstriert, aus welchen Positionen man beim Tontaubenschießen doch noch die schnellen und kleinen Ziele treffen kann: aus der Hüfte, das Gewehr hinter dem Rücken haltend oder eben mal über dem Kopf mit der Flinte verkehrt herum. Beeindruckend. Wahrscheinlich um den Unterhaltungswert zu erhöhen, schießt der Mann nun auf hochgeworfene Kohlköpfe und Holzkohlebriketts und liquidiert Wassermelonen. Wyatt Earp und Jesse James würden abends wohl vor Neid leise ins Kissen weinen und ihren Job an den Nagel hängen, wenn sie das gesehen hätten. Die spinnen, die Sportschützen.
Dann aber passieren wir einen der abstoßendsten und faszinierendsten Stände der ganzen Messe. Ein amerikanischer Messer- und Schwerthersteller präsentiert die Qualität und Schärfe seiner Produkte auf „etwas“ befremdliche Art und Weise: Auf Videos ist zu sehen, wie grimmig aussehende Kampfsportler Kurzschwerter in mit Fleischbrocken gefüllte Hosenbeine oder Lederjacken stechen oder mit dem Zweihandschwert komplette, am Fleischerhaken von der Decke hängende (natürlich tote) Schweine köpfen und anschließend mit allerdings beeindruckender Genauigkeit den restlichen Körper des Tieres in Scheiben von Kotelettstärke zersäbeln. Natürlich nehmen wir eine Video-DVD von den Typen mit – glaubt uns ja zu Hause keiner. Die spinnen, die Amis.
Nee, was freue ich mich schon auf die „normale“ Welt zu Hause. Werde mich dort mit einem Kollegen treffen, ein Angelvideo über die Insel Jersey einwerfen und Kästen voller Haken, Perlen, Wirbel und Spinnerblätter auf dem Fußboden ausbreiten. Und während wir fasziniert zusehen, wie im Video der erste Steinbutt gelandet und der nächste Wolfsbarsch im Drill ist, werden wir voller Vorfreude auf unseren Jersey-Trip Anfang Mai mit kindlichem Eifer absolut fängige Montagen basteln und versuchen, uns gegenseitig zu übertreffen. Und wahrscheinlich wird meine Freundin um die Ecke schauen und denken: Die spinnen, die Angler...
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