Die Tücken des Winters (03/2010)

altAm Wasser treffen und die tollen Aboprämien von Rute & Rolle in Szene setzen – so die Theorie. Den Plan hatten Kollege Christopher und ich Mitte Dezember. Also verabredeten wir uns: 9 Uhr, Parkplatz am Baggersee. Am Morgen des Drehtages rutsche ich um 8 Uhr mit Ruten und Rollen unter dem Arm zum Auto. Na, klasse! Der Autoschlüssel stößt im Schlosskanal auf harten Widerstand. Da ist kein Durchkommen. Nächster Versuch: Kofferraum. Super – geht auf. Erst einmal das Gerät verstauen. Danach zur Beifahrertür. Nichts. Irgendwie muss ich an den Eiskratzer auf dem Beifahrersitz kommen. Ich zwänge mich in den Kofferraum, meine Füße kommen den feinen Blanks bedrohlich nahe, und quetsche mich unelegant über die Rückenlehne. Irgendwie gelingt es mir, den Kratzer zu greifen. Hoffentlich sieht mich keiner. Schnell sind alle Fenster vom Eis befreit. Wieder krabbel ich würdelos durch den Kofferraum und bekomme die rechte Hintertür auf. Da ich natürlich keinen Türschlossenteiser habe (der liegt bei meiner Freundin im Wagen), bleiben die Schlösser weiterhin dicht. Dann versuche ich die Verriegelung zu überlisten und ziehe den Knopf der Beifahrertür hoch. Alle Türen offen! Zu früh gefreut. Die Türen sind am Gummi festgefroren. Ich dreh durch! Mittlerweile ist es kurz vor 9 Uhr. Schnell eine SMS an Christopher: „Komme nicht in den Wagen. Wird ein paar Minuten später!” Optimistisch. Kofferraumklappe zu und über die Rückenlehnen der Vordersitze
auf den Fahrersitz. Ich merke, dass mir etwas mehr Sport gut tun würden – gelenkig war einmal! Ich sitze vor dem Lenkrad und sehe die offene Tür. Ahh! Mein Arm ist zu kurz, komme nicht an den Türgriff. Ich atme tief durch. Ruhig bleiben, Elmar. Dann drehe ich mich um, krabbel mit den Knien auf den Sitz, drücke mit dem Hintern auf die Hupe, egal, und bekomme die Tür zu greifen. Mann, was für ein Stress! Zum Glück springt der Motor sofort an. Aber was ist das? Meine Scheibe ist schon wieder zugefroren und die Scheibenwischer bewegen sich kein Stück. Aussteigen? Ha, wie denn? Die Vordertüren sind ja festgefroren. Sch..... Winter! Also wieder zurück über die Rücklehen, auf die Ruten achten, die Hintertür öffnen, irgendwie aus dem Auto kommen, Rücken gerade machen, Scheibe freikratzen und schnaufend zurück auf den Fahrersitz. Irgendwann erreiche ich durch den dichten Hamburger Stadtverkehr die Autobahn. „Biegen Sie Moorfleet von der Autobahn ab.” Mache ich. „Folgen Sie der Straße drei Kilometer.” Ja, rechts oder links an der T-Kreuzung? Die Karte in meinem Navi scheint veraltet zu sein. Ich entscheide mich für links. Natürlich falsch! Aus fünf Kilometer zum Ziel werden 30. So, jetzt reicht's. Ich passe eine Autolücke ab und ziehe auf der zweispurigen Schnellstraße auf die andere Seite. Hat hoffentlich keiner gesehen. Zum Glück reagiert
der Autofahrer vor mir an der nächsten Kreuzung geistesgegenwärtig, als ihm ein 30-Tonner die Vorfahrt nimmt. Sonst wäre ich noch Unfallzeuge geworden. Gegen 10 Uhr biege ich völlig entnervt auf den Parkplatz. Zum Glück kann ich den Wagen jetzt auf bequemem Wege verlassen – durch die aufgetauten Türen. Dann heißt es: „Uuuuund Action, bitte!” Hatte ich ja vorher nicht....              Elmar Elfers
 

 
 
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