Home Ein bisschen Schlaf – bitte! (09/2009)

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Ein bisschen Schlaf – bitte! (10/2009)

Es war Andys Idee, angeln zu fahren. Und es bedarf keiner Überredungskünste meines nichtangelnden, aber naturbegeisterten Freundes. Dann könnte ich auch noch ein paar  fehlende Fotos für eine Geschichte schießen. Und nach einer langen Freitagnacht auf dem Hamburger Kiez – wenn der Freund vom Land schon in der Großstadt zu Besuch ist, will man ihm auch das Nachtleben zeigen – würde eine erholsame Angelnacht auf Karpfen sicher gut tun. Spontan packten wir also unsere Siebensachen, kauften auf dem Weg an der Tankstelle noch ein kühles Bierchen und fuhren zum Wasser. Das Banana-Faltboot war schnell beladen und bis zum Platz waren es nur wenige Paddelschläge. Ein lauer Sommerabend, die gemütlichen Karpfenliegen, gute Gespräche, dazu Chips und Bier – wir freuten uns! Auf dem Weg zur Stelle passierten wir einen kleinen Yachthafen. Als wir eine gewaltige Diskokugel, die an einem eigentlich zur Bergung von Yachten vorgesehenen Kran hing, sahen, hätten wir es uns eigentlich schon denken können. Wir lachten noch wegen der überdimensionierten Kugel, die im Abendlicht zu allen Seiten abstrahlte. Hätten wir gewusst, dass sie ab 23 Uhr Neonlicht in den schrillsten Farben bis zum Horizont reflektieren würde, begleitet von einer ziemlich schrägen Musikauswahl und dem hohen Gelächter der Yacht-Yuppies, wir wären besser einige hundert Meter weiter gepaddelt. Doch als die Hafenparty in die Vollen ging, war es schon zu spät. Unsere Schirme wirkten wie vergrößerte Ohrmuscheln und fingen den Schall perfekt auf. Jedes Lied kam bis in die feinsten Höhen auch bei uns an. Darunter Knaller wie „Can’t touch this“ von MC Hammer oder „Staying alife“, Bee Gees. Um circa vier Uhr morgens hatte der DJ dann Erbarmen und wenig später verklangen auch die letzten betrunkenen Partygäste. Endlich Schlaf in Sicht! Nein, nix da. Denn gerade als ich es endlich bis in die Träume schaffte, riss mich mein Bissanzeiger aus dem jungen Schlummer. Ein halbstarker, hungriger Karpfen hatte wohl auch nur darauf gewartet, dass der Lärm endet. Obwohl die Morgensonne schon über die Baumwipfel strahlte, nachdem ich den Fisch versorgt hatte, schaffte ich es dann doch noch, für zwei Stunden die Augen zu schließen. Geweckt wurde ich unsanft von der schrillen, hoch wütenden Stimme einer untersetzten Schwimmerin, die sich in den Schnüren verfangen hatte. Ich fragte mich, wieso sie gerade hier, wo überdeutlich Ruten stehen, keine drei Meter vom Ufer entfernt, ihre Bahnen ziehen muss. Sie schrie wie im am Spieß und bekräftigte immer wieder: „Wir schwimmen hier!“ Woran es lag, dass ich nur eine Person im Wasser sah? Vielleicht an meiner Müdigkeit. Vielleicht spielte sie aber auch auf ihre offensichtliche, körperliche Überlegenheit an... Ich weiß es nicht, aber natürlich blieb ich nett und holte die Ruten ein. Andy bekam von alldem nichts mit und schlief weiter – der Vorteil eines Nichtanglers.Christopher Paschmanns

 
 
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