Cassien

Geschrieben von Jesco Peschutter am .

Cassien Karte Ausschnitt klein

 

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In der Oktober-Ausgabe 2014 von Rute & Rolle stellt Ihnen Max Löchle die neuen Regeln am Lac de Saint-Cassien vor. Immer noch lohnt es sich, das Karpfen-Mekka zu besuchen. Wie Sie an dem 650 Hektar großem Gewässer am besten vorgehen, welche Montagen sinnvoll sind und wie sich die einzelnen Seeteile unterscheiden, verrät er Ihnen hier



Westarm

Westarm klein

 

Kartenlegende: Rot = Schongebiet, Gelb = Laichgebiet Karpfen

 

1. Schongebiet Westarm: Das Befahren und Angeln ist vom 01. Januar bis 30. Juni verboten.

2. Laichgebiet Westarm: Karpfenangeln vom 01. Januar bis 30. Juni verboten. Andere Fischarten dürfen beangelt werden.

3. Kevin Ellis Point: letzter Platz vor dem Schongebiet

4. Ruderschule

5. Platz rechts neben der Ruderschule: Liegt seit neustem im Schongebiet und darf daher bis zum 30. Juni nicht beangelt werden.

6. Brückenplateau: Sie finden es zwischen dem zweiten und dritten Brückenpfeiler.

 

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Sonnenaufgang im Westarm.Sonnenaufgang im Westarm.Der Westarm ist der mit Abstand kleinste Seeteil. Hinzu kommt, dass vom 01. Januar bis 30. Juni nur der vordere Bereich bis zur Höhe der Ruderschule befischt werden darf. Vorsicht, hier gibt es eine Neuerung: Früher durfte der Platz rechts der Ruderschule noch beangelt werden. Dieser gilt seit diesem Jahr aber bereits als Schongebiet und Angeln ist hier strengstens untersagt. Im vorderen Teil des Westarms sind die Ufer steil und felsig – auch unter Wasser. Es gibt einige flachere Plätze am Ufer mit Ausläufern unter Wasser. Diese sind mit einem Echolot leicht zu lokalisieren und es lohnt sich immer, sie zu befischen. Ratsam ist es, die Ruten in unterschiedlichen Tiefen zu verteilen, um möglichst schnell herauszufinden, in welcher Tiefe die Karpfen umherziehen und fressen. Viele Angler vernachlässigen aber den Uferbereich. Dieser wird gerade an den steil abfallenden Ufern so wenig befischt, dass wir fast schon von Schongebieten sprechen können. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich hier große Einzelfische überlisten lassen. Tigernüsse mit nur wenig Beifutter sind besonders empfehlenswert. Ein steifes Vorfach aus Fluorocarbon in Kombination mit den Nüssen – nun haben Sie keine Probleme mit den aktiven Weißfischen im Flachwasser. Besonders im Frühjahr ist der Westarm das Top-Gebiet des Sees, da sich ein Großteil des Fischbestandes im Schongebiet dieses Arms zum Laichen sammelt. Aufgrund der wenigen Angelstellen ist das Gedränge entsprechend hoch. Die Top-Ecken sind die letzten Plätze vor dem Schongebiet – Kevin Ellis Point und die Ruderschule. Aber auch zu anderen Jahreszeiten ist der Westarm immer einen Versuch wert.


Nordarm

Nordarm klein

 

Kartenlegende: Rot = Schongebiet

 

7. erste Nordarmspitze

8. zweite Nordarmspitze

9. dritte Nordarmspitze

10. La Ruine

11. Rotkehlchen-Platz

12. Schongebiet Nordarm

13. Table-Platz

14. Sonnenplatz: letzer Platz vor dem großen Nordarm-Schongebiet

15. Barrage: letzter Platz vor dem großen Nordarm-Schongebiet

16. großes Nordarm-Schongebiet

17. Steilufer

18. Steilufer

19. Steilufer

20. Kühlschrank-Platz: Hier haben Sie besonders im Winter den ganzen Tag kaum Sonne.

21. Schweinebucht

 

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Der Nordarm ist der mit Abstand größte Seeteil.Der Nordarm ist der mit Abstand größte Seeteil.Der Nordarm ist der größte, tiefste, ruhigste und vermutlich schönste Teil des Sees. Fahren wir aus dem zentralen Seeteil hoch in den Nordarm, sehen wir am westlichen, flacheren Ufer viele Landzungen. Auch hier setzt sich die Struktur des Ufers unter Wasser fort und mit Hilfe des Echolots lassen sie die Ruten strategisch in verschiedenen Tiefen auf den Ausläufern der Landzungen verteilen. Besonders im Sommer ist es empfehlenswert, mit einem GTM 40+ die Lage der Sprungschicht zu ermitteln. Liegt diese zum Beispiel bei 14 Metern, sind meist Tiefen zwischen zehn und zwölf Metern besonders erfolgversprechend. Auf der östlichen Seite fällt das Ufer viel steiler ab und es gibt besonders bei hohem Wasserstand nur wenige Angelplätze. Deshalb ist hier der Angeldruck deutlich geringer. Normalerweise sind im Bereich des Steilufers keine Karpfenschulen anzutreffen – oft aber große Einzelexemplare. Daher lohnt es sich, kleine Fallen direkt im Uferbereich zu stellen. Neben Tigernüssen und auffälligen Pop Ups sind auch einzelne Boilies immer einen Versuch wert. Hierbei empfiehlt es sich, die Murmel am Haar mit Schrumpfschlauch zu ummanteln und so vor Weißfischen, Katzenwelsen und Krebsen zu schützen. Den Schrumpfschlauch können Sie in jedem gut sortierten Elektrofachhandel als Meterware kaufen. Alternativ bietet die Firma Korda seit kurzem perfekt passende Schrumpfschläuche für verschiedene Boiliedurchmesser an, die zwar etwas teurer sind, dafür aber Löcher haben, um die Duftstoffe der Köder besser freizugeben. Am Ende des Nordarms befindet sich vor der Staumauer ein weiteres Schongebiet, das mit einer Bojenkette gekennzeichnet ist. Die jeweiligen Plätze vor dieser Bojenkette sind fast schon ein Garant für gute Fänge. Allerdings sind hier viele kleinere Exemplare unterwegs. Wer seinen ersten Cassien-Karpfen fangen möchte, ist hier richtig.


Südarm

Suedarm klein

 

22. Bucht bei der „Brasserie du Lac“

23. Bivvy-Point

24. bis 26. Beliebter Badeplatz: Hier gilt es Rücksicht auf die Badegäste zu nehmen.

27. Banana-Plateau: Seit Jahrzehnten wird dieses berühmte Plateau stark befischt. Dennoch ist es ein Anziehungspunkt für viele große Fische.

28. Y-Swim

29. Schilderplatz: Eine ideale Stelle, um das Banana-Plateau zu befischen.

30. Electric-Point

 

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Am Ende des Südarms befindet sich das sogenannte Y – ein ruhiger, verwinkelter Seebereich. Hier stehen die Chancen auf große Fische gut.Am Ende des Südarms befindet sich das sogenannte Y – ein ruhiger, verwinkelter Seebereich. Hier stehen die Chancen auf große Fische gut.Der Südarm galt schon immer als „Big Fish-Arm“. Manche Angler fingen hier den Fisch ihres Lebens, andere bekamen wochenlang nicht einmal einen Biss. Es halten sich inzwischen durch den viel dichteren Karpfenbestand mehr Fische im Südarm auf. Dieser Seeteil bleibt immer noch eine heiße Adresse, wenn wir es auf die ganz großen Einzelfische abgesehen haben. Das südliche Ende des Arms ist sehr flach. Besonders im frühen Sommer, wenn der Wasserstand des Sees seinen Höchststand erreicht hat, ist dieser Bereich interessant. Es scheint, als würden sich viele Großkarpfen nach dem Laichgeschäft im Westarm in diesen Bereich zurückziehen. Hier finden sie das, was sie nach den Strapazen der Fortpflanzung brauchen: Ruhe und Nahrung. Die Strecke zwischen dem Ende des Westarms und dem Ende des Südarms beträgt mehrere Kilometer. Dass dies für die Fische keinerlei Hindernis darstellt, zeigt ein kurioser Doppelfang aus dem Juni 2014. Ich fing einen großen Spiegler im unteren Teil des Südarms und dieser Fisch kam mir irgendwie bekannt vor. Bei Durchsicht der Bilder stellte ich fest, dass ich den gleichen Karpfen sechs Tage zuvor auf Kevin-Ellis-Point im Westarm gefangen hatte. Wenn zum Herbst hin der Wasserstand langsam fällt, sind der obere und mittlere Bereich des Südarms interessanter. Hier befinden sich auf der westlichen Uferseite einige tolle Landzungen, die auf beiden Seiten von kleinen Buchten umsäumt werden. Diese sind ebenfalls oft Rückzugsgebiete für einzelne Fische. Da Karpfen immer noch schreckhaft vor zu vielen Angelschnüren im Wasser sind, empfiehlt es sich, in diesen Buchten nur mit einer Rute und wenig Futter zu angeln. Die anderen Ruten lassen sich problemlos auf den Ausläufern der Landzungen in unterschiedlichen Tiefen verteilen. Oft ist es erfolgreicher, mit nur drei Ruten pro Person zu angeln, als zwanghaft vier zu verwenden. Auf der östlichen Uferseite sind im Sommer Badegäste und andere Touristen anzutreffen. Daher ist es wichtig, entsprechend Rücksicht zu nehmen. Allerdings führt dieser Umstand dazu, dass hier deutlich weniger gefischt wird. Aus meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, sich einen Platz auszusuchen, der einem zusagt. Folgt dem Instinkt! So konnten wir zum Beispiel an einem Tag, an dem wir erst gegen zehn Uhr mit dem Angeln begannen, innerhalb von wenigen Stunden drei Fische an einer völlig unscheinbaren Stelle fangen. Früher war das Angeln am Cassien immer stark auf bekannte Plätze fixiert. Das lag natürlich daran, dass diese Plätze oft besetzt waren und sich niemand gerne in unmittelbarer Nähe eines anderen Anglers niederlässt. Aber die Fische halten sich nicht an diese vermeintlich guten Plätze. Sie fressen dort, wo sie Ruhe und Futter antreffen. Durch den gesunkenen Angeldruck haben wir die Möglichkeit, dort zu angeln, wo es uns gefällt – ein unschätzbarer Vorteil. Noch ein Beispiel für einen solchen Platz ist die große Bucht beim Restaurant „Brasserie“ am oberen Ende des Südarms. Niemand würde auf die Idee kommen, sich quasi im Garten des Restaurants für mehrere Tage oder gar Wochen häuslich einzurichten. Aber für eine Tages-Session ist dieser Bereich perfekt, zumal er schnell erreichbar ist und sogar ohne Boot befischt werden kann. Und wenn der Wind für eine paar Tage vom Meer in den Südarm weht, können Sie sich sicher sein, dass ein paar große Karpfen in dieser Bucht auf Futtersuche sind.

Kreuz
Der zentrale Seebereich, in dem sich die drei Arme treffen, wird auch Kreuz genannt. An der Brücke herrscht immer reges Treiben – egal ob Ruderer, Kajakfahrer, Raubfischangler, Schwimmer oder Tretbootfahrer. Hinzu kommt der Lärm der Autos und LKWs, die oft mit hoher Geschwindigkeit über die Brücke fahren. Aus diesen Gründen meide ich das Kreuz häufig. Wer seinen Fokus allerdings ausschließlich auf gute Fänge legt, sollte diesen Bereich keinesfalls außer Acht lassen. Blicken wir vom Kreuz auf die Brücke Richtung Nordarm, können wir zwischen dem zweiten und dritten Brückenpfeiler mittels Echolot das bekannte Brückenplateau finden. Dieses Plateau steht schon immer unter extremem Angeldruck, trotzdem werden hier nach wie vor sehr große Fische gefangen. Wie im gesamten See sind die Uferpartien ebenfalls sehr interessant.

Taktik
Eine gute Taktik ist es, Boilies unterschiedlichen Formen und Größen zu füttern.Eine gute Taktik ist es, Boilies unterschiedlichen Formen und Größen zu füttern.Unabhängig von dem beangelten Seeteil habe ich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. Entweder fische ich auf Futterplätzen oder ich stelle Fallen. Diese beiden Taktiken lassen sich natürlich sehr gut kombinieren. Oft befische ich mit je einer Rute das Ufer zu beiden Seiten des Angelplatzes. Hierbei setze ich auf Tigernüsse oder auffällige Pop Up-Montagen. Gerne kombiniere ich auch beides und biete einen Schneemann aus einer großen Tigernuss und einem halbierten kleinen Pop Up an. Große Futtermengen sind unnötig, da zumeist einzelne Karpfen am Ufer entlang ziehen. Viel wichtiger ist, dass die Montage noch fangfähig im Wasser liegt – auch nach Weißfisch- und Krabbenattacken. Daher setzte ich bei den Uferruten zumeist auf Stiff-Rigs aus Fluorocarbon. Das Haar binde ich mit dünnem Geflecht einfach unter die Wicklungen des Fluorocarbons ein. Dieses einfache Rig ist robust, unauffällig und arbeitet sehr effektiv. Bei den Futterplatzruten hoffe ich hingegen, dass viele Fische mein Futter finden. Daher darf auch gerne mal etwas mehr gefüttert werden. Als gute Taktik hat es sich erwiesen, einen sehr weitflächigen Futterplatz anzulegen, der sich über verschiedene Tiefenbereiche erstreckt. Gerade die Ausläufer der zahlreichen Landzungen eignen sich hierzu hervorragend. Zum Vorfüttern markiere ich einen großen Bereich mit Bojen und verteile anschließend einige Kilo Boilies und Tigernüsse. Die genaue Menge hängt vor allem von der Wassertemperatur und dem Wetter ab. Bei hohen Wassertemperaturen können 20 Kilo Futter sehr schnell weg sein. Für diese Taktik verwende ich seit Jahren Extractor und Monster Mussel Boilies von T.T. Baits – gerne verschiedene Durchmesser und Formen. Wenn wir zwei unterschiedliche Boiliesorten füttern, ist es wichtig, auch beide am Haar zu verwenden. Manchmal scheint es, als änderten die Fische täglich ihre Vorlieben: Mal bevorzugen sie den einen, mal den anderen Köder. Natürlich macht es keinen Sinn, 20 Kilo zu versenken, wenn wir nicht wissen, ob sich überhaupt Rüssler am Platz befinden. Daher ist es ratsam, erst mal einen Tag den Platz zu testen. Fangen wir dabei Fische, kann ich nur empfehlen, abends einen großen Futterplatz anzulegen. Die Karpfen werden über Nacht in Ruhe fressen und am nächsten Morgen können wir uns auf einige Bisse gefasst machen. Dann heißt es: früh aufstehen! Wir wollen ja nicht, dass ein anderer Angler die Ernte einfährt.

Das Rig
Die Montagen halte ich auch auf den Futterplätzen äußerst simpel. Ich verwende etwas längere Vorfächer mit rund 25 bis 30 Zentimetern Länge. Bei kälteren Wassertemperaturen, wenn weniger Weißfische an den Rigs herumspielen, bevorzuge ich weiches Vorfachmaterial. Bei höheren Temperaturen verwende ich ummantelte Vorfächer, bei denen ich auf den letzten Zentimetern vor dem Haken die Ummantelung ablöse. Das Kryston Quicksilver Gold in 35 und 45 lbs Tragkraft ist mein absoluter Favorit. Als Haken setze ich dickdrähtige Modelle ein – wie den Korda Wide Gape X oder den Carpleads Univerza. Wichtig ist eine nach innen gebogenen Spitze, die besser vor Steinen geschützt ist und damit länger scharf bleibt. Die Rigs binde ich als einfache No Knot-Version mit Wicklungen bis auf Höhe der Hakenspitze. Sitzt der Haken bei den ersten Fischen nicht gut, schiebe ich ein Stück Silikonschlauch über das Öhr und verlängere so den Hakenschenkel. Diese Vorgehensweise funktioniert genauso gut wie mit Schrumpfschlauch, ist aber deutlich einfacher.

Robust und einfach
Da die Montagen mit dem Boot abgelegt werden, sind harte Ruten überflüssig. Dennoch sollten die Ruten ein gewisses Rückgrat haben, um auch großen Karpfen Paroli bieten zu können. Zudem werden regelmäßig Welse auf Boilies gefangen. Daher verwende ich Modelle zwischen 2,75 und 3,00 lbs Testkurve mit einer semi-parabolischen Aktion. Robuste Rollen mit großer Schnurfassung und exakt arbeitender Bremse sind optimal. Als Hauptschnur kommt eine 0,40er Monofile zum Einsatz. Geflochtene Schnüre sind aufgrund der begrenzten Angeldistanz nicht nötig und schneiden sich gerne in die zahlreichen Wurzeln unter Wasser ein. Zum Schutz vor diesen Wurzeln und scharfen Steinen schalte ich eine 0,55er bis 0,65er Schlagschnur vor. Zumeist verwende ich Inlinebleie zwischen 110 und 140 Gramm. Ich konnte nicht feststellen, dass ich dadurch mehr Montagen in Hindernissen verliere und der Hakeffekt ist im Vergleich zu einer Safety Clip-Montage deutlich besser. Wichtig ist, dass wir unser Set-Up robust und einfach halten. Viele Spielereien, die am heimischen Baggersee sinnvoll sein können, sind an einem so großen und hindernisreichen Gewässer unnötig.

 

Fotos: Max Löchle

Karten: Google Earth Pro