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Gefangen im Paradies (06/2009) |
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Christopher Paschmanns
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Mauritius – Inselparadies im Indischen Ozean. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass es mich mal an diesen exotischen Ort verschlägt. Umso größer war die Freude über die Einladung der Hotelkette „Naiade Ressorts“, die hier, auf dem tiefblauen Meer in Sichtweite der bergigen Vulkaninsel, alljährlich die „Marlin Masters“ austrägt. Ein Wettfischen unter Marlin-Anglern aus aller Welt und ich mittendrin. Doch irgendwie stand diese Diensttour der besonderen und seltenen Art unter keinem guten Stern. Es begann mit einem Hinweis des Kollegen Elmar wenige Tage vor Abflug: „Und, schon überprüft, ob Dein Reisepass noch gültig ist“ „Klar, ist er“, kam prompt die unüberlegte Antwort. Abends zu Hause dann der Schock: abgelaufen! Oh nein! Was tun? Es war Donnerstagabend, Montagmorgen sollte es losgehen. Nur noch den Freitag zum Verlängern... Ich reichte einen Tag Urlaub ein, um diese Peinlichkeit zu lösen, stand am Freitag um sechs auf und ließ den Telefondraht glühen. Der Anruf beim Konsulat von Mauritius in Berlin schaffte Klarheit, mit einem vorläufigen Reisepass würde man mich ins Land lassen –Glück gehabt. Also machte ich mich zum Amt, frische Passfotos im Gepäck, und ließ mir das vorläufige Papier ausstellen. Das Wochenende verging in Vorfreude. Der Flug von Hamburg nach Paris – von hier aus sollte es weitergehen Richtung Tropentraum – verlief reibungslos. Aber dann: letzter Check-In für den Mauritius-Flug um 15:20 Uhr, aktuelle Uhrzeit: 14:30, erwartete Ankunft des Gepäcks auf dem Band: 15:10, Dauer der Strecke vom Gepäckband zum Abflug-Terminal: 25 Minuten... Oh, oh... Hektisch wie ein Tiger im Käfig ging ich auf und ab. Die Schweißperlen rannen mir in Strömen die Stirn runter. Als sich das Band endlich in Bewegung setzte und mein Koffer in Sichtweite kam, schupste ich mich durch die anderen Wartenden, packte das Gepäckstück und rannte was das Zeug hielt. Bei Ankunft am Terminal zeigte die Uhr schon 15:40. Am Schalter, wo mich eigentlich eine aufreizende kreolische Dame charmant zum Flug begrüßen sollte, saß eine grimmige Chinesin und schaute mich verständnislos an, als ich sie völlig fertig und stammelnd nach dem Air Mauritius-Schalter fragte. Chinesische Wörter flogen mir entgegen und dann ein Handzeichen – da lang. Mit einem „Thank you“ rannte ich los und tatsächlich, um die Ecke war ein Infostand der Airline. Ich rang nach Luft und erklärte der Dame am Stand, was los war. Ich sei zu spät, entgegnete sie trocken. Sie muss deutlich gesehen haben, wie mir die Farbe aus dem Gesicht ging und die Lippen anfingen zu beben. Bevor mich der Nervenzusammenbruch ereilte, lenkte sie sorgenvoll ein und rief in der Maschine an. Als sie auflegte, wich ihre versteinerte Mimik erstmalig einem Lächeln. Ich könne noch mit, mein Koffer müsse allerdings hierbleiben. Hektisch packte ich um, ließ mich von ihr am Arm greifen und durch den Sicherheits-Check schleusen. Um es kurz zu fassen: Ich flog und mein Koffer kam auch mit. Die Klimaanlage im Flieger allerdings gab meinem überanstrengten, verschwitzten Körper den Rest und die ersten drei Tage verbrachte ich im überdimensionierten Bett des Fünf-Sterne-Hotels auf Mauritius – richtig krank. Schon an Tag zwei setzte ein Zyklon-Sturm der Oberliga ein und beutelte die tiefblaue Traumsee mit 250 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit und sieben Meter hohen Wellen. Erst krank, dann gefangen im Paradies, denn an Angeln noch an sonst irgendeine Aktivität war nicht zu denken. Aus fünf geplanten Angeltagen wurden letztlich zwei. Dass ich mich zuerst in Krämpfen krümmte und der Sturm beängstigend die Palmen bog, ließ mich dann aber die letzten, gesunden Tage umso mehr genießen. Auf jeden Sturm folgt Ruhe, auf jeden Schauer Sonne. Und während ich im Riff schnorchelte oder durch die Regenwaldhänge wanderte, konnte ich mir schon gar nicht mehr vorstellen, dass ich mich erst vor wenigen Tagen ängstlich im Hotelzimmer verschanzt hatte. Auch meinen ersten Big Game-Fisch – einen ordentlichen Wahoo – konnte ich am letzten Tag noch fangen. Aber irgendwie scheint mir der Flughafen Paris Charles de Gaulle nicht so wohl gesonnen zu sein, denn auf der Rückreise stand über Stunden auf der Kippe, ob mein Transfer von Paris nach Hamburg überhaupt abfliegt – Sturm, was sonst. Wenn auch diesmal Schneesturm. Er flog, wenn auch mit einer dicken Stunde Verspätung. Jetzt sitze ich wieder in der Redaktion, mit Erinnerungen an einen fantastischen Trip in die Tropen und bin doch irgendwie froh, dass ich es heil überstanden habe. Eben eine Dienstreise der besonderen Art.
Christopher Paschmanns |
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