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Holger Bente
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Siegi ist Schuld. Oder sein Kumpel. Na eben derjenige, der anrief und Siegi von fantastischer Meeräschenfischerei an der deutschen Ostseeküste berichtete. Auszug aus dem Telefonat: „Ehrlich, Meeräschenschwärme groß wie Fußballfelder! Fünf Stück gefangen, viele gehakt – Wahnsinn!“ oder „... 70, ach was sage ich, 80 Zentimeter große Brocken! Wenn ich’s Dir doch saaaage!“ Sowas lässt einen nicht kalt. Was also tun? Wetterbericht für den kommenden Tag checken. Sonnig, sehr warm und schwacher Wind, ab Mittag zunehmend. Passt! Einen Tag Urlaub nehmen, Fliegenrute, Kamera, Sonnencreme und Polbrille einpacken und in aller Herrgottsfrühe ab an die Küste.
Nur 20 Stunden nach dem Telefonat stehe ich an dem Strand, wo vor eben jenen 20 Stunden die Meeräschen waren. Und jetzt? Nichts. Rauf auf die Steilküste und Strecke machen. Irgendwo müssen sie ja sein. Aber Fehlanzeige. Die Sonne brennt und ich bekomme Durst. Mist. Wasserflasche vergessen. Egal, Fisch geht vor! Also wieder rein ins Auto und einen anderen Strand – in diesem Fall Dazendorf - anfahren. Raus aus dem Auto. Küste lang- laufen und suchen. Nichts! Bin sehr durstig. Nützt nichts. Ab zum nächsten Strand. Wundere mich von der Steilküste ins kristallklare Wasser blickend über eine ungewöhnliche Grundstruktur. Lange graue Steine, sehr gleichmäßig verteilt. Plötzlich dreht sich einer dieser „Steine“ auf die Seite und eine silberne Fischflanke blitzt auf! Meeräschen!!! Nicht groß wie ein Fußballplatz der Schwarm, aber Strafraumgröße kann man durchgehen lassen. Nachdem ich meinen vor Staunen heruntergeklappten Kiefer wieder eingerenkt habe, geht alles ganz schnell: 100 Meter zurück zum Auto spurten, Rute und Kamera holen und den kurzen Weg zurück. Und auf diesem kurzen Weg zurück passiert das Unglaubliche: Der Wind frischt stark auf, Schaumkronen sitzen auf den plötzlich aufkommenden Wellen und kein Fisch ist mehr zu orten. Einige Blindwürfe bringen natürlich nichts. Der Wind bleibt. Mir dämmert, dass der Tag gelaufen ist. Habe irrsinnigen Durst. Gehe deprimiert zum Auto. Autoschlüssel bleibt im Türschloss stecken und lässt sich nicht mehr bewegen. Will ADAC rufen, aber der Akku vom Handy ist leer. Ein Spaziergänger leiht mir sein Handy und ich rufe den ADAC. 75 Minuten später hat mich der gelbe Engel erlöst und ich fahre zur nächsten Tankstelle, um dem Verdurstungstod zu entgehen. Als ich die Colaflasche im Auto öffne, ergießt sich eine braun-klebrige Fontäne über den erfolglosesten Meeräschenangler des Tages. Ich möchte hiermit alle Menschen beruhigen, die sich am 1. August 2008 im Großraum Oldenburg i.H. aufgehalten haben: der langgezogene Schrei, den sie hörten, hatte weder mit einer Gewalttat zu tun noch mit einem grässlichen Unfall. Das musste einfach raus!
Und im Grund kann ich auch gar nichts dafür, denn Siegi ist schuld. Oder sein Kumpel... |
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