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Piep, Piep, Pieeeeeeeeeeeeppppp! Unsanft aus dem Schlaf gerissen, stürme ich aus dem Zelt. Der Hanger klebt unterm Blank und die Rute ist ordentlich nach links gebogen. Die Spitze zeigt genau in den kleinen Busch, vor den ich die zwei Tigernüsschen ausgeworfen hatte. Ich nehme die Rute auf und – nix, ab?! Die Montage ist schnell eingeholt. Ungläubig starre ich auf mein Rig. Alles intakt: Blei, Schlauch, Vorfach mit scharfem Haken. Nur eine, doch recht wichtige Kleinigkeit fehlt: das Haar mit den Nüssen! Kontakt mit einer Muschel? Abgebissen? Vielleicht ein Blässhuhn, vom nächtlichen Kohldampf geplagt? So ein scharfer Schnabel kann das geflochtene Haar schon kappen. Aber tauchen die Gefiederten nachts überhaupt? Zweifelhaft. Wie würde Kollege Holger Bente sagen: „Nütz ja nix!“ Also montiere ich im Dunkeln neu, ziehe wieder zwei Nüsse aufs Haar und werfe mit einem Unterhandwurf aus. Noch schnell vier, fünf Tigernüsse um den Busch verteilt, fertig. In dieser Nacht passiert an der Busch-Rute nichts mehr. Um nicht zu viel Unruhe an dem Platz zu schaffen, lasse ich sie unkontrolliert liegen. Schließlich befinde ich mich für eine Produktion an einem kommerziellen Karpfengewässer, umzingelt von Engländern, die genau wissen, was sie tun. Die Fische stehen also unter hohem Angeldruck. Ruhe am Platz ist das A und O. Denkste, von wegen liegenlassen. Nicht mit dem heimlichen Köderdieb! Im Laufe des Tages piept es genau ein Mal an der Buschrute. Nur der Wind? Irgendwie bin ich unsicher. Bevor es dunkel wird, hole ich ein, um die Montage zu kontrollieren und traue meinen Augen kaum: wieder fehlen Haar und Köder! Einen Wasservogel kann ich ausschließen, denn den hätte ich bemerkt. Aber was sonst beißt mir da die Köder vom Haar? Der Dieb agiert klug, doch ich will ihm auf die Schliche kommen. Erneut lege ich die Rute an den Busch und beobachte sie mit Argusaugen. Da, es regt sich was, Ringe an der Oberfläche! Der Dieb? Nein, nur ein Hecht. Zum Laichen kommen die Fische hier zu den überhängenden Ästen. Sollte er vielleicht...? Nein, den Gedanken verwerfe ich schnell. Es wird dunkel, ich bleibe auf dem Stuhl vorm Zelt sitzen und horche. Und tatsächlich: Ein einzelner Pieper an der Buschrute lässt mich aufschrecken, der Hanger klettert langsam in die Höhe. „Na warte, dir zeig' ich's!“ Kräftig schlage ich an und spüre Widerstand – ein verärgertes Kopfschüttel. Doch dann befreit sich mein Gegenüber. Ich fluche, schalte die Kopflampe an und leuchte den Busch aus. Erst sehe ich gar nichts. Doch da, ein Rascheln im Busch, Bewegung im Wasser. Dieb, wo bist du? Da ist er und damit hätte ich nicht gerechnet: Eine ärgerlich schnaufende Bisamratte taucht zwischen den Ästen auf. „Dir hab' ich das Essen versaut!“, freue ich mich für den Moment. Aber am Ende bleibt das Pelztier Sieger. Am Busch platziere ich keinen Köder mehr.
Christopher Paschmanns
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