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Immer Ärger mit den Brückentagen (02/2008)

 

Matthias Six
Matthias Six
Am 27./28. Dezember 2007 war es wieder einmal so weit und spätestens am 2. Mai 2008 wird das Thema erneut auch durch unsere Redaktionsräume geistern. Die Rede ist von Brückentagen! Alleine bei dem Wort stellen sich mir als ­Chef­redakteur bereits die Nackenhaare auf. Was anscheinend die Mehrzahl der deutschen Arbeitnehmer in Verzückung versetzt, treibt Vorgesetzten den Angstschweiß auf die Stirn. Nicht, dass ich meinen lieben Kollegen keine Freizeit gönne, die sie sowieso fast ausschließlich am Wasser verbringen und häufig dabei Geschichten produzieren, doch ist es nun einmal so, dass unser Arbeitsleben durch ein Datum bestimmt wird, das alle 27 Tage ansteht – und das ist der Redaktionsschluss. Der kümmert sich nämlich überhaupt nicht um Brückentage und kommt meistens direkt nach diesen ganz plötzlich um die Ecke marschiert. Auch das hämische Grinsen einiger Kollegen stört mich nicht, die sich besonders schnell bereits am Jahresanfang durch geschicktes Planen lange Wochenenden verschafft haben. Alles eine Frage der Organisation in der Chefetage, meinen sie. Richtig, doch wenn Sie eine Horde Angelfanatiker führen wollen, sind graue Haare vorprogrammiert. Denn schließlich werden auch die Urlaubstage grundsätzlich nach Wetterlagen, Mondphasen und Schonzeiten ausgerichtet. Nicht selten begrüßt einen dann ein Kollege in der Redaktion, der eigentlich im Urlaub verweilen sollte. Gespräche laufen dann meistens wie folgt: „Hast Du nicht Urlaub?” „Eigentlich schon, doch ich habe gestern einen Anruf aus Norwegen erhalten. Kein Wasser im Fluss und somit kaum Lachse. Aber sobald es regnet, geht’s dann los.” Ist klar, so kann man Hefte planen. Eventuell ist der Kollege morgen oder übermorgen noch am Platz, vielleicht aber auch erst in einer Woche. Einwände werden mitleidig nach dem Motto belächelt: Na ja, der Matthias geht ja in der letzten Zeit kaum noch angeln, wie könnte ich da Verständnis erwarten! Normalerweise müsste man den Kollegen umgehend nach Hause in den Urlaub schicken. Doch da befinde ich mich schon wieder in einer Zwickmühle, da man sich schließlich über jeden anwesenden Kollegen freut. Produzieren wir doch jährlich nicht nur 12 Rute&Rolle-Hefte, sondern noch weitere 15 Magazine. Hinzu kommen noch Broschüren, Beilagen und so weiter. Bei diesem Arbeitsaufwand müssten eigentlich immer alle an Bord sein, doch schließlich haben wir nun mal 30 Tage Urlaub und die wollen am Jahresende verbraucht sein. Da passiert es nicht selten, dass mich ein Anruf unseres Berliner Verlagsleiters überrascht, der mich süffisant darauf hinweist, dass vier Kollegen 15 Tage alten Urlaubes mit ins neue Jahr genommen haben. Und wie ich mir denn das so vorstelle. Komischerweise interessiert sich mein Verlagsleiter überhaupt nicht für Mondphasen und Schonzeiten von Fischen. Obwohl er leidenschaftlich gerne Steinbeißer und Seeteufel isst. Also ein bisschen mehr Verständnis könnte er für meine Kollegen schon aufbringen, schließlich hat er auch schon von deren Fangerfolgen in Form  von leckeren Filets profitiert. Und während ich diese Zeilen in den Computer hämmere, trägt sich bestimmt wieder einer in den Urlaubskalender ein. Schnell noch die Brückentage sichern und schon steht einem langen Wochenende nichts mehr im Wege. Jetzt denken Sie bestimmt, dass ich bereits am Anfang des neuen Jahres einen frustrierten Eindruck mache. Stimmt nicht, denn ich habe gerade elf freie Tage um Weihnachten herum in vollen Zügen genossen – dank Brückentagen!
 
 
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