Die Güster

Geschrieben von Arnulf am .

DGüsteriesen Fisch hatten sicher viele von Ihnen schon am Haken. Aber trotzdem ist die Güster ein perfekter Kandidat für unsere Rubrik „Süße Unbekannte“. Warum? Selten ist sie ja nicht gerade. Korrekt, aber dieser Fisch wird wohl noch öfter verwechselt als Rotauge und Rotfeder. Am häufigsten heißt es wahrscheinlich „Wieder so ’n kleiner Brassen“, wenn jemand nicht genau hinguckt und verärgert den handlangen, silbernen Fisch vom Haken löst. Zugegeben, auf den ersten Blick sehen Güster (wissenschaftlich Blicca bjoerkna) schon aus wie kleine Brassen. Aber wer weiß, worauf er achten muss, kann beide recht sicher auseinander halten. Los geht’s: „Schau mir in die Augen, Kleine“ ist ein gutes Motto, um die Fischart zu bestimmen. Bei der Güster gleicht der Augendurchmesser der Länge der Maulspalte. Apropos: „Maul auf!“ ist das nächste Kommando, das uns bei der Identifikation einer Güster hilft. Denn anders als der Brassen kann sie kein Rüsselmaul vorstülpen. Das Maul ist endständig, die Maulspalte steht also eher waagerecht und nicht schräg nach unten. Wer ganz sicher gehen möchte und Kenntnisse in Fischanatomie besitzt, kann auch die Schlundzähne, mit denen Weißfische ihre Nahrung zerkleinern, herauspräparieren. Ob sich diese Prozedur lohnt, müssen Sie entscheiden... Wer’s probiert und zwei Reihen von Zähnen findet, darf recht sicher sein, dass es eine Güster ist. Bei ihr trägt jeder Schlundzahn eine Reihe mit zwei und eine mit fünf Zähnen, in seltenen Fällen auch mit drei und fünf Zähnen. Deutlich einfacher, aber ebenfalls hilfreich für die Bestimmung: Flossenstrahlen zählen. Für die Frage Brassen oder Güster nehmen wir uns die Afterflosse vor und zählen die Strahlen, die die Fischflosse stützen. Güster haben nur 22 bis 26, Brassen dagegen mindestens 26, aber auch bis zu 31. Zählen können wir auch die Schuppen entlang der Seitenlinie: Güster 44 bis 50, Brassen 47 bis 52. Sie sehen, da gibt es einen fiesen Grenzbereich. Erschwert wird das Ganze leider auch noch dadurch, dass Güster gerne bei den Hochzeiten anderer Fischarten mitfeiern – und es dabei richtig krachen lassen... Dem Thema Hybriden (Kreuzungen) werden wir uns in einem eigenen Artikel in der nächsten Ausgabe von Rute & Rolle widmen. Was gibt es sonst noch Wissenswertes über den Fisch, der wegen seines großen Augen auch Blicke genannt wird? Güster werden mit drei bis vier Jahren und Längen von 10 bis 15 Zentimetern geschlechtsreif. Wenn sie genug Futter finden und Zeit bekommen, werden sie normalerweise bis zu 35 Zentimeter lang. Bei Ausnahmefischen von 45 Zentimetern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es keine reinrassige Güster ist. Anglerisch nicht unwichtig: Güster gehören zur ganz normalen Speisekarte von Hecht und Zander. Also nicht gleich ärgern, wenn statt eines großen Brassens beim Feedern eine Güster am Haken hängt. Lieber schon mal für den Herbst wegfrieren! Meinen allerersten großen Hecht konnte ich Ende der 90er mit einer Güster von rund 12 Zentimetern fangen...  Selber macht Blicca bjoerkna Jagd auf alles, was am Gewässerboden kreucht und fleucht: Schnecken, Krebstierchen, Würmer – oder eben zwei Maden am 14er-Plättchenhaken.
Arnulf Ehrchen