Der Gründling

Geschrieben von Arnulf am .

Die Schwanzflosse zeigt es: Dies ist ein „echter“ Gründling (Gobio gobio)Die Schwanzflosse zeigt es: Dies ist ein „echter“ Gründling (Gobio gobio)Gründlinge, das bedeutet für mich Kindheitserinnerungen an sandige Bäche in den niedersächsischen Wiesen. Mit der allerersten Angelrute und selbst gesammelten Würmern ging es auf die Jagd nach allem, was beißt. Oft war das ein kleiner, hübscher Fisch mit bräunlich-silbernen Flanken und winzigen Barteln links und rechts neben dem Rüsselmaul. Mitgenommen habe ich sie damals alle, denn unsere drei Katzen waren ganz versessen auf die kleinen Karpfen­verwandten. Außerdem konnte ich prima meine älteren Vereinskollegen mit Köderfischen für Aal, Barsch oder Zander versorgen. Dafür gab’s dann auch mal ein Päckchen Haken oder eine Pose als Dankeschön – heiß begehrt in den Zeiten von notorisch knappem Taschengeld. Verirrt sich heute mal ein Gründling an meinen Stipphaken, lasse ich ihn lieber wieder frei, denn vielerorts ist Gobio gobio, wie er wissenschaftlich heißt, deutlich seltener geworden. Bedroht ist der Gründling nicht, aber ich kenne mehrere Bäche und Flüsse, wo er fast  vollständig verschwunden ist.
Interessant: Gründlinge sind zu Lautäußerungen (Quietschen) fähig, mit denen sich die Fische untereinander verständigen sollen. In einigen großen Flüssen wie Rhein und Elbe muss sich unser Gründling heute seinen Lebensraum mit einer Schwesterart, dem Weißflossengründling teilen.  Auseinanderhalten lassen sich Gobio gobio und Romanogobio albipinnatus nur bei genauerem Hinsehen. Der Kopf des Weißflossengründlings oder auch Weißflossigen Gründlings ist etwas kürzer, seine Barteln dafür aber deutlich länger als bei Gobio gobio. Wenn wir die Barteln am Körper entlang legen, reichen sie über die großen ­Augen hinaus in Richtung Flanke. Einen Unterschied zwischen den Gründlingsarten gibt es auch in Sachen Futtersuche: Echte „Gobios“ sind überwiegend tagaktiv, während Weißflossengründlinge vor allem im Dunkeln den Boden nach Kleinkrebsen und Insektenlarven durchforsten. Auch ein Blick auf die Schwanzflosse lohnt bei diesen beiden Gründlingsarten: Ist sie nicht gefleckt, haben wir es mit einem Weißflossengründling zu tun. Daher kommt auch der Name des Fischchens. Apropos Fischchen: Hübsch sind sie, die kleinen Burschen! Ihre beiden Barteln sind winzigDer echte Gründling wird ein gutes Stück größer als sein Verwandter, der ursprünglich Flüsse wie Warthe, Weichsel und Donau besiedelte. Romanogobio albipinnatus wächst auf maximal 15, Gobio gobio zum Teil auf über 20 Zentimeter heran. Ich kann mich aus den Eimern der Raubfischangler in meinem Jugendverein aber sogar an echte Gründlingsbrocken von gut 25 Zentimetern erinnern! Bei solchen „Kaventsmännern“ könnte man schon über eine kulinarische Verwertung nachdenken. Gegessen werden Gründlinge übrigens tatsächlich in einigen Gegenden. Paniert und gebraten soll sich eine echte Delikatesse daraus zaubern lassen. Wer genug Gründlinge in seiner Nähe hat, kann es ja mal ausprobieren und berichten. Oder die kleinen Bartelträger als Top-Köder für Aal und Zander einsetzen. Denn das hat sich seit meiner Jugend nicht geändert: Wo sich viele „Gobios“ tummeln, finden sie bei Räubern reißenden Absatz. Das Zanderfilet ist dann in der Küche auf jeden Fall perfekt aufgehoben!
Arnulf Ehrchen