Die Bachschmerle

Geschrieben von Arnulf am .

Gut getarnt auf Kies- oder Sandböden: die Bachschmerle, wissenschaftlich Barbatula barbatulaGut getarnt auf Kies- oder Sandböden: die Bachschmerle, wissenschaftlich Barbatula barbatulaSie wird sicher öfter mit einem Kinderkescher gefangen als mit einer Rute: die Schmerle oder in der Langversion Bachschmerle. Die Wissenschaftler haben diesen kleinen Fisch lange Noemacheilus barbatulus getauft, aber ihren lateinischen Namen inzwischen auf Barbatula barbatula geändert. Eins aber bleibt: Die Schmerle ist kein spektakulärer Fisch. Los geht es mit der Größe: Mit mehr als 15 Zentimetern sind Schmerlen schon groß, die 20-Zentimeter-Marke wird nur in den seltensten Fällen überschritten. Und besonders auffällig aussehen tut Barbatula auch nicht: Brauntöne ohne stark ausgeprägtes Muster bestimmen das Kleid aus winzigen Schuppen. Trotzdem gibt es viel Interessantes über den Bewohner von Bächen und kleinen Flüssen zu berichten. Zum Beispiel, dass Schmerlen bei Forellen, besonders Bachforellen ganz weit oben auf dem Speisezettel stehen. Um diesen Feinden aus dem Weg zu gehen, verstecken sich Bachschmerlen gern in ultraflachem Wasser, wo den Forellen das Wasser unterm Bauch einfach schon zu knapp wird. Gut, dafür warten andere Jäger, von denen viele Federn statt Flossen tragen. Selber verputzt Barbatula barbatula übrigens vor allem Krebsiges: Bachflohkrebse am liebsten, aber auch Insektenlarven. Selten saugt sie auch mal Fischlaich ein. Da Schmerlen erst in der Abenddämmerung Hungergefühle bekommen, nutzen sie vor allem ihre Barteln, um Beute zu finden. Den Boden Sandkorn für Sandkorn abtastend geht es auf die Suche nach Mückenlarven, Krebschen...
Neben Bächen und kleinen Flüssen zählen übrigens auch Kanäle und sogar die Uferbereiche von Seen zu den Schmerlenrevieren. Wichtig für eine Besiedlung durch die Fischchen mit den sechs Barteln am Maul sind immer genug Versteckmöglichkeiten. Unter Wurzeln, Steinen oder Holz am Grund lebt es sich für einen so maulgerechten Kleinfisch einfach sicherer. Empfindlich ist die Bachschmerle gegen starke Wasserverunreinigungen, ganz besonders durch Schwermetalle. Wird es aber in Sachen Verschmutzung wieder besser, gehört sie zu den ersten Arten, die zurückkommen, wenn das Wasser eine annehmbare Qualität erreicht. Auch wenn Bachschmerlen in extrem hohen Dichten vorkommen können – bis über 50.000 Fische auf einem Hektar Wasserfläche – sind sie keine geselligen Tierchen. Ihr kleines Revier verteidigen die Burschen mit den Barteln vehement gegenüber Artgenossen oder anderen Eindringlingen. Nächstes Thema: Laichen. Im Vergleich zu anderen Fischarten legen Schmerlenweibchen nur wenige Eier ab, gerade einmal 300 bis 2000 pro Tier. Diese zartgelben Kügelchen haben einen Millimeter Durchmesser und eine stark klebrige Oberfläche, was ihnen entweder eine schützende Sandpanade verpasst oder sie an Steinen und Pflanzen festkleben lässt. Übrigens: Begegnet Ihnen mal eine Schmerle, lassen Sie sie bitte wieder schwimmen. An vielen Gewässern sind die Fischchen selten geworden, in vielen Bundesländern ohnehin unter Artenschutz. In Osteuropa genießt die Bachschmerle trotz ihrer geringen Größe dagegen einen guten Ruf als Speisefisch. Ob sie in die Fischssuppe wandert oder ganz frittiert wird, konnten wir allerdings nicht für Sie herausfinden.
Arnulf Ehrchen