Die Elritze

Geschrieben von Arnulf am .

Zur Laichzeit lassen sich Weibchen (oben) und Männchen gut unterscheidenZur Laichzeit lassen sich Weibchen (oben) und Männchen gut unterscheidenLive hab ich Elritzen das allererste Mal im Sommer 2010 in Norwegen gesehen. Dort, wo ein winziger Bach mit eiskaltem, glasklarem Wasser in den Krøderfjord bei Krødsherad einmündete lebte das nur 30 Zentimeter tiefe Wasser förmlich. Fingerlange Fische waren dafür verantwortlich. Sie schauten recht bunt aus und hatten nicht nur weiße und dunkle Flecken, sondern zum Teil auch grellrote Bäuche. Im ersten Moment musste ich an Saiblinge denken, aber das kam bei der geringen Größe überhaupt nicht hin. Dann erinnerte ich mich an mein erstes Fischbuch und kam auf die Lösung: Elritzen! Hunderte dieser kleinen Karpfenfische tummelten sich im sonnendurchfluteten Flachwasser und gingen einer Beschäftigung nach, bei der ich sie als wohlerzogener Mensch nicht stören wollte… Diese Beobachtung zeigt gleich mehrere typische Kennzeichen von Phoxinus phoxinus, wie die Wissenschaftler die Elritze nennen: Sie laicht immer in Schwärmen. Kommen nur wenige Elritzen zusammen, bleiben die Hochzeitsgefühle selbst in der Laichzeit aus. Dass die Fischchen Liebe im Kopf haben, erkennen wir an zwei Dingen: Beide Geschlechter tragen einen Laichausschlag in Form kleiner Knötchen auf Kopf und Körper wie wir ihn zum Beispiel auch von Brassenmännchen kennen. Die „Rotbäuche“ unter den Elritzen sind übrigens die Männchen. Eine weitere Besonderheit des kleinen Fisches: Bei Gefahr, zum Beispiel einem Raubfisch in der Nähe, geben einzelne Tiere chemische Schreckstoffe ins Wasser ab, die den ganzen Schwarm warnen.
Meine ersten Elritzen erwischte ich Anfang Juni beim „Sex“. Das war aber wie schon erwähnt in Norwegen. Weiter südlich kann es schon ab April zur Sache gehen. Typisch war aber der Laichplatz: Steiniges Flachwasser ist genau das, was Elritzenweibchen am liebsten aufsuchen, um die Eier abzulegen. Diese haften an den Steinen und bleiben so bis zum Schlupf der Larven in einem recht sicheren Bereich. Kleine Elritzen sind hart im Nehmen, zumindest was die Wassertemperatur angeht: Bis zu 30 (!) Grad stecken sie weg. Feind Nummer eins von Phoxinus phoxinus dürfte in typischen Elritzengewässern, also Bächen, Flüssen oder auch Seen mit sauberem, sauerstoffreichem Wasser, die Bachforelle sein. Bei ganz genauem Blick lässt sich die unterbrochene Seitenlinie erkennenBei ganz genauem Blick lässt sich die unterbrochene Seitenlinie erkennenWo erlaubt, gehört der kleine Fisch mit den dunklen Flecken auf den Flanken deshalb zu den besten Ködern für Rotgepunktete. Mit einer Elritze am Bleikopfsystem lässt sich so manch scheue Großforelle aus ihrem tiefen Gumpen zaubern! Gerade in den Alpenländern weiß man das sehr gut. In Norwegen breitet sich die Elritze übrigens – wohl wegen der Klimaerwärmung – immer weiter nach Norden aus. Die Bachforellen des Nordlands wird es freuen. Vielleicht wachsen sie mit dieser neuen Beute ja auch in Zukunft schneller zu schönen Größen ab. Damit Elritzen gut wachsen, brauchen sie reichlich Insekten, deren Larven, Krebstierchen oder Fischlaich als Futter. Mehr als maximal 14 Zentimeter Länge erreicht eine Elritze aber in ihrem bis zu elf Jahre langen Leben so gut wie nie. Im Englischen heißt dieser Fisch Minnow und hat schlanken Wobblern ihren Namen gegeben: Finden Sie in einem englischsprachigen Online-Shop oder Katalog ein Fischimitat mit Tauchschaufel vom „Minnow type“, handelt es sich um einen sehr schlanken Köder, der im Körperbau einer Elritze nachempfunden ist.
Arnulf Ehrchen