Die Groppe

Geschrieben von Arnulf am .

In Mitteleuropa weit verbreitet, aber auch gefährdet: Groppe oder KoppeIn Mitteleuropa weit verbreitet, aber auch gefährdet: Groppe oder KoppeEin echter Heimlichtuer ist sie, die Groppe, die viele von Ihnen sicher auch als Koppe kennen. Oder als Mühlkoppe. Eventuell auch als Westgroppe oder sogar Rotzkopf. Die Wissenschaftler nennen unsere süße Unbekannte dieser Ausgabe Cottus gobio. Viele Namen für einen Fisch, der mit seinen marmorierten Flanken in Brauntönen genauso wenig auffällt wie durch seine Lebensweise. Doch da unten zwischen den Steinen des Forellenbachs oder im Uferwasser des klaren Sees tummeln sich gar nicht so wenige der Burschen mit dem abgeflachten, großen Kopf.
Als Beutefisch deutlich bekannterer und beliebterer Fischarten spielen Koppen allerdings eine wichtige Rolle. Fragen Sie mal die Großforellen in sauberen Bächen oder Flüssen... Kein Wunder, dass Koppen-Imitate als Streamer, Gummifisch oder aus Schaumstoff schon viele vorsichtige, alte Bachmänner ausgetrickst haben. Früher wurde die Groppe übrigens verdächtigt, ihrerseits den Rotgepunkteten zu schaden indem sie Eier oder Jungfische verputzt. Das passiert durchaus, aber weder Eier noch Babybachforellen zählen zu den üblichen Menü-Zutaten bei Koppen. Für Insektenlarven oder Bachflohkrebse dagegen stellt der grimmig guckende Kleinfisch einen echten Albtraum dar.  Und wie so viele Albträume kommt auch die Koppe vor allem nachts. Erst mit Einsetzen der Dunkelheit wird der kleine Fisch mit den großen Brustflossen aktiv. Bei ihren Raubzügen nimmt die Koppe aber auch kaum Fahrt auf, denn mehr als ein Huschen über den Gewässergrund im Zick-Zack-Kurs bekommt sie nicht hin. Eine Schwimmblase fehlt Cottus gobio, was Ausflüge ins Mittelwasser oder noch weiter Richtung Oberfläche natürlich deutlich erschwert.
Da Koppen fürsorgliche Eltern sind, kommen sie mit vergleichsweise wenigen Eiern aus: Nur 100 bis 300 pink bis gelb gefärbte Kügelchen trägt jedes Weibchen. Damit aus den Eiern auch Babygroppen werden, treiben die Elternfische aber einen ungewöhnlich hohen Aufwand. Monsieur Mühlkoppe buddelt zuerst eine Grube unter Steinen am Bachgrund, dann heftet Madame ihre Eier von 2 bis 2,5 Millimetern Durchmesser in diese Höhle.  Nach 20 bis 35 Tagen schlüpfen die sechs bis sieben Millimeter langen Larven. Das Groppenmännchen bewacht die lieben Kleinen dann noch, bevor sie sich in eine Welt voller Gefahren in Form fieser Forellen, aber eben auch ein Schlaraffenland mit Unmengen an Bachflohkrebsen, Stein- und Eintagsfliegenlarven begeben. Für Mühlkoppen geht es übrigens im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus: Auch in Bergbächen auf über 2200 Metern Höhe kommen die maximal 18 Zentimeter langen Fischchen klar. Klein, aber doch bemerkenswert, die Groppe!
Arnulf Ehrchen