Die Zährte

Geschrieben von Arnulf am .

Diese Zährte mit ihrem stark unterständigen Maul konnte den Maden einfach nicht widerstehenDiese Zährte mit ihrem stark unterständigen Maul konnte den Maden einfach nicht widerstehenSo wie der kämpft, ist das bestimmt ‘ne Barbe“ sage ich noch zu meinem Kumpel, kurz nachdem ich den Anhieb mit meiner Feederrute gesetzt habe. Doch was sich da meine Maden hinterm Futterkorb geschnappt hat und nach einigen starken Fluchten stromaufwärts in meinen Kescher wandert, ist keine Barbe, sondern eine Zährte! Die Zährte (Vimba vimba) aus der Familie der Karpfenfische wird aufgrund ihrer „Knollennase“ häufig mit der Nase (Chondrostoma nasus), der widmen wir uns in der nächsten Ausgabe von Rute&Rolle, verwechselt. Diese besitzt ein ähnlich ausgeprägtes unterständiges Maul. Die Färbung ist übrigens sehr hilfreich bei der Unterscheidung der beiden Arten: Bei der Zährte ist die kegelförmige Schnauze deutlich dunkler (blau-schwarz) gefärbt, weshalb sie in manchen Gegenden auch als Rußnase bezeichnet wird.  Aufgrund dieser außergewöhnlichen Kopfform liegt das hufeisenförmige Maul unter dem Kopf und ist stark unterständig. Die Grundfärbung von Vimba vimba geht von dunkelgrau bis leicht bläulich, während die Bauchseiten silbrig-weiß glänzen. Während der Laichzeit von Mitte April bis Ende Juni bildet das Männchen einen deutlichen Laichausschlag und wechselt zudem seine Körperfärbung: von dunkelgrau in ein tiefes Schwarz. Brust- und Bauchflossen färben sich in dieser Zeit dann orangerot. Wer ganz sicher gehen möchte, dass er eine Zährte und keine Nase am Haken hat, muss sein Augenmerk auf die Flossen richten und Strahlen zählen: Die Afterflosse der Zährte ist 19- bis 25-strahlig. Die Nase hingegen hat nur 13 bis 14 Strahlen. Die stark nach innen gewölbte Schwanzflosse ist 19-strahlig. Ebenso charakteristisch für diesen Fisch sind die scharfen Kielschuppen hinter der Rückenflosse. Das Vorkommen der Zährte erstreckt sich über verschiedene Flüsse in Mittel- und Osteuropa, die in die Nordsee, Ostsee oder das Schwarze- und Kaspische Meer münden. In einigen südbayrischen und oberösterreichischen Seen kommt eine Unterart vor – der Seegrüßling (Vimba elongata). In manchen Gegenden, wie zum Beispiel der Donau, kommen auf fünf gefangene Fische drei Zährten, während in anderen Regionen Fänge als absolute Ausnahmen gelten. Wo sie vorkommen, lassen sich diese kampfstarken Fische mit Futterkorb und Maden oder mit der Kopf- und Bologneserute überlisten. Gut zu erkennen: Die dunkel gefärbte „Knollennase"Gut zu erkennen: Die dunkel gefärbte „Knollennase"Aber auch der für Aal angebotene Tauwurm ist ein gern genommener Happen für den grundnah lebenden Fisch. Das Höchstalter der Zährte beträgt 15 Jahre. Große Exemplare erreichen dabei Längen von über 50 Zentimetern und Gewichte von über einem Kilo. Aber was machen wir nun, wenn wir einen dieser Fische im Kescher haben? Na essen…  Denn das Fleisch der Zährte ist zwar sehr grätenreich, aber gleichzeitig  auch sehr wohlschmeckend. In ­vielen Restaurants wird dieser Fisch frisch oder geräuchert serviert. Auch Fischfrikadellen gelten in manchen Ge­genden als eine wahre Delikatesse. Doch Vorsicht: In einigen Bundesländern ist die Zährte ganzjährig geschützt und darf nicht entnommen werden.
Daniel Frank