Der Kaulbarsch

Geschrieben von Arnulf am .

Die ungeteilte Rückenflosse: ein Erkennungsmerkmal des KaulbarschesDie ungeteilte Rückenflosse: ein Erkennungsmerkmal des KaulbarschesKleiner Kerl mit großem Namen, schließlich wurde nach ihm eine ganze Region großer Flüsse benannt. Okay, der Kaulbarsch teilt sich diese Ehre mit einem Plattfisch, aber trotzdem kommt der kleine Barschverwandte im Fachbegriff Kaulbarsch-Flunder-Region zuerst. Sie bezeichnet den letzten Teil von Fließgewässern, bevor das Süßwasser im Meer landet. Hier im schon leicht salzigen (brackigen) Wasser fühlt sich Gymnocephalus cernua, so sein wissenschaftlicher Name, wohl und kann in großer Dichte vorkommen. Zu meinen Zeiten als Jungangler galt das auf jeden Fall noch für die Unterelbe flussab meiner Heimatstadt Stade. Entsprechend oft schnappten sich die bis maximal 25 Zentimeter (Quelle:
www.fishbase.org) langen, bräunlich gefärbten Barschartigen meine Würmer, die eigentlich für Aale gedacht waren. Ich kann mich an diese Beifänge auch deshalb so gut erinnern, weil einmal ein echter Kapitaler dabei war. Volle 27 Zentimeter hatte der „Kaulbarsch meines Lebens“! Stolz wie Oskar beförderte ich ihn in die mütterliche Küche, wo er in zwei Filets verwandelt wurde. Ob meine Begeisterung über den Geschmack noch durch die Fangfreude beeinflusst war, weiß ich nicht, aber es war lecker. Satt geworden bin ich allerdings nicht. Beim Recherchieren für diese „Süße Unbekannte“-Ausgabe bin ich aber immer wieder auf Lob für Kaulbarsch in der Küche gestoßen. Nach dem Fang des Ausnahme-Kaulis hab ich damals alle kleineren Exem-plare fleißig gesammelt bis eine kleine Mahlzeit zusammen war. Zurücksetzen fällt bei Kaulbarschfängen leider ohnehin oft aus, denn die stacheligen Burschen schlucken unsere Köder sehr schnell sehr tief. Apropos stachelig: Barsch und Kaulbarsch können wir nicht nur an der Färbung leicht auseinander halten, sondern auch beim Blick auf die Rückenflosse. Sie ist bei Gymnocephalus cernua zusammenhängend. Der vordere Teil trägt spitze Stacheln wie beim Barsch und auch am Kiemendeckel warten Pieker auf unvorsichtige Anglerfinger. Leider sind Gewässer mit gutem Kaulbarschbestand seltener geworden. Sicher auch, weil der Fisch anders lebt als sein Verwandter, der Flussbarsch. Kaulis sind sehr stark bodenorientiert und bleiben da unten auch dann stur stehen, wenn der Sauerstoff in heißen Sommern knapp wird. Das musste ich am Großen Plöner See leider selber einmal miterleben. Während die Barsche bei fast 25 Grad Wassertemperatur munter im sauerstoffreichen Oberflächenbereich umher flitzten, kamen ihre bräunlichen Brüder zu Hunderten tot aus der Tiefe hoch. Da unten gab es keinen Sauerstoff mehr.
Wo sie noch gut vertreten sind, gehören Kaulbarsche zu den Top-Köderfischen für Aal und Zander. Und gedrungene, braune Gummifische als Kauli-Kopie fangen zuverlässig Zander und Barsche. Kaulbarsche finden wir in einem großen Verbreitungsgebiet, das nördlich der Pyrenäen beginnt und bis nach Sibirien reicht. Auch englische Gewässer und das Brackwasser der Ostsee besiedelt der Barschartige, auf dessen Speisezettel Plankton, Insektenlarven, Krebstierchen, aber auch Fischlaich und -brut stehen. n
Arnulf Ehrchen