Der Hundsfisch

Geschrieben von Administrator am .

Kaum zu ahnen: Hundsfische sind mit dem Hecht verwandtKaum zu ahnen: Hundsfische sind mit dem Hecht verwandtDass dieser Fisch mit dem Hecht verwandt ist, liegt nicht auf der Hand. Der kleine, bräunliche Fisch mit einer Maximallänge von 17 Zentimetern gehört aber in dieselbe Ordnung namens Esociformes. Im Gewässer begegnen sich Hundsfisch (wissenschaftlich Umbra krameri, im Deutschen auch Ungarischer Hundsfisch) und Hecht kaum, denn dort, wo sich der „kleine Braune“ wohlfühlt, hat der „große Grüne“ einfach zu wenig Wasser unterm Bauch. Kleine und oft sehr flache Gräben, Altarme und andere Ecken ohne nennenswerte Strömung bieten Umbra krameri perfekte Lebensbedingungen, gerade wenn es noch ordentlich Pflanzenbewuchs gibt. In vielen dieser Kleingewässer stellt der Hundsfisch übrigens die einzige Fischart dar. Durch seine Fähigkeit, Luft schlucken zu können und ihr über die Schwimmblase den Sauerstoff zu entziehen, kann sich der kleine Kerl dort behaupten, wo andere Flossenträger in heißen Sommern einfach ersticken.  Der bevorzugte Gewässertyp ist aber auch ein Grund dafür, dass heute kaum noch jemand Hundsfische kennt: Kleingewässer der genannten Art verschwinden entweder nach und nach oder werden regelmäßig ausgebaggert, was den fischigen Bewohnern kaum eine Überlebenschance lässt. Beim Hundsfisch, der in Deutschland vor allem das Einzugsgebiet der Donau besiedelt, kommt aber noch ein weiteres Problem dazu: Die wenigen passenden Gewässer muss sich die heimische Art auch noch mit einem Verwandten aus Übersee teilen. Umbra pygmea ist der wissenschaftliche, Amerikanischer Hundsfisch der deutsche Name. Optisch sind die beiden kaum auseinander zu halten. Wer sie trotzdem unterscheiden möchte, zählt wie so oft am besten Flossenstrahlen. Nehmen Sie sich dabei als erstes die Rückenflosse vor: Finden sich weniger als 15 Strahlen, sind die Chancen hoch, dass es ein „Ami“ ist. Er hat 12 bis 16, Umbra krameri 15 bis 17. Um den ersten Trend abzusichern, zählen Sie dann die Afterflosse aus. Der heimische Hundsfisch hat hier sechs bis neun, der amerikanische acht bis elf Strahlen. Als drittes Unterscheidungsmerkmal bieten sich die Schuppen entlang der Seitenlinie an: Umbra krameri kommt auf 33 bis 36, die Schwesterart pygmea auf 35 bis 37. Gemeinsam ist beiden Hundsfischen das oberständige Maul mit winzigen Zähnchen, die im Querschnitt fast runde Körperform und eine weit nach hinten versetzte Rückenflosse. Na, da hätten wir dann ja doch eine Ähnlichkeit zum Hecht gefunden! Bei der bevorzugten Nahrung hört diese aber auch schon wieder auf: Hundsfische halten sich an Beute ohne Flossen und verzehren vor allem Krebstierchen und Insektenlarven. Große Mühe geben sich die kleinen Grabenbewohner bei der Aufzucht des Nachwuchses. Genauer gesagt sind es die Weibchen, die meist größer sind und zur Laichzeit ein eigenes Revier besetzen, aus dem sie andere Hundsfischdamen rigoros verjagen. Nach den Eiablage wird die Mutter zum Wächter und passt zehn Tage lang auf, dass den 1,8 bis 2 Millimeter großen Eiern nichts passiert. Schlüpfen dann die fünf bis sechs Millimeter langen Larven, sind sie auf sich gestellt. Zuerst heften sie sich mit einem speziellen Organ am Kopf an Pflanzen, um nicht gleich gefressen zu werden. Danach geht es für die ganz kleinen Hundsfische in die große Freiheit.
Arnulf Ehrchen