Der Frauennerfling

Geschrieben von Administrator am .

Sieht aus wie ein Mix aus Plötze und Aland: der FrauennerflingSieht aus wie ein Mix aus Plötze und Aland: der FrauennerflingMit Frauennerfling könnten wahrscheinlich viele Fische gemeint sein, die angelnde Männer ihre häuslichen Pflichten vernachlässigen lassen. Trotzdem verbirgt sich hinter diesem Namen ganz konkret nur eine selten gewordene Fischart, die mit wissenschaftlichem Namen Rutilus pigus und im Deutschen auch Pigo heißt. Rutilus könnte einigen von Ihnen schon mal untergekommen sein und Rutilus rutilus bezeichnet bei den Wissenschaftlern tatsächlich einen der häufigsten Flossenträger unserer Gewässer: Rotauge oder Plötze. Den hinteren Teil des deutschen Namens Frauennerfling werden ebenfalls einige schon kennen, da der Aland in manchen Teilen Deutschlands auch Nerfling genannt wird. Rutilus pigus ist zwar als Angehöriger der gleichen Gattung näher mit dem Rotauge als dem Aland verwandt, hat aber mit beiden Arten durchaus Ähnlichkeiten. Der kleine Kopf des Frauennerflings zum Beispiel erinnert genauso an die Plötze wie die großen Schuppen oder die rötlichen After- und Bauchflossen. Davon finden sich übrigens 43 bis 49 entlang der Seitenlinie des Pigo. Die längliche Körperform erinnert aber eher an Alande. Wer im Zweifel ist, ob er wirklich seltene Beute im Kescher hat, zählt Flossenstrahlen: Rutilus pigus hat 13 bis 15 in der After-, 17 bis 18 in der Brust- , 12 bis 15 in der Rücken-, 10 oder 11 in der Bauch- und 19 in der Schwanzflosse.In den wenigen deutschen Gewässern mit Vorkommen des Frauennerflings haben wir es mit der Unterart Rutilus pigus virgo zu tun, die nur Flüsse besiedelt. Genauer sind es die obere und mittlere Donau sowie größere Nebenflüsse. Hier hält sich der Rotaugenverwandte die meiste Zeit des Jahres vor allem in den tieferen Gewässerteilen auf. Nur zur Laichzeit im April bis Mai zieht es die Fische in seichtere Gefilde. Jetzt werden schwach strömende, geschützte Uferbereiche mit flachem Wasser aufgesucht, wo sich Weibchen und die mit starkem Laichausschlag versehenen Männchen versammeln. Die bis zu 60.000 klebrigen Eier haften nach der Ablage an Steinen oder Pflanzen, was sie vorm dem Davontreiben schützt. Auch nach dem Schlupf verlassen die Mini-Pigos den Uferbereich nicht sofort. Schon nach maximal drei Jahren sind Frauennerflinge bereits geschlechtsreif. Als Höchstalter erreichen sie rund 15 Jahre. Und mit bis zu 50 Zentimetern sind große Exemplare schon echte Gegner an der Feeder- oder Kopfrute mitten in der Strömung. Drills mit Frauennerflingen können in Deutschland eigentlich nur in Bayern oder Baden-Württemberg stattfinden. In Baden-Württemberg ist der Fisch allerdings ganzjährig, in Bayern von März bis Ende Juni geschützt. Das ist auch deshalb nötig, weil die Bestände stark zurückgegangen sind. Hauptursachen dafür sind Wanderhindernisse wie Wehre und auch Wasserverschmutzung, die es dem Fisch mit dem seitlich abgeflachten Körper schwer machen. Dabei ist er ein sehr genügsamer Vertreter, der mit verschiedenen Kleinlebewesen und Algen als Nahrung prima auskommt.
Arnulf Ehrchen