Die Mairenke

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Nein, es ist kein Ukelei: Das Bild zeigt eine männliche MairenkeNein, es ist kein Ukelei: Das Bild zeigt eine männliche MairenkeMairenke? Hat das was mit der Renke zu tun? Nein, der Name täuscht: Die Mairenke (wissenschaftlich Alburnus chalcoides) stammt aus der Familie der Karpfenfische, besitzt keine Fettflosse und ist nicht mit der Renke verwandt. Ein zweiter deutscher Name für diesen Fisch lautet Seelaube und weist schon auf eine Ähnlichkeit hin. Denn es gibt einen Flossenträger, der der Mairenke sehr ähnelt: die Laube, besser bekannt als Ukelei (Alburnus alburnus). Beide haben bei der Optik viel gemeinsam, zum Beispiel einen langen, schlanken, seitlich abgeflachten Körper und ein oberständiges Maul. Außerdem sind ihre Rücken grünlich gefärbt und Seiten wie Bäuche silbern. Auf den ersten Blick können wir sie so gut wie gar nicht unterscheiden – also Strahlen zählen: Die Seelaube besitzt in der Afterflosse 17 bis 20 Strahlen, der Ukelei hingegen sogar 18 bis 23. Nicht so eindeutig wird es in der Bauchflosse: Bei der Mairenke ist sie zehn- bis elfstrahlig und bei der Laube nur acht- bis neunstrahlig. Nahezu identisch ist die Strahlenzahl in der After- und Schwanzflosse. In der Maximallänge unterscheiden sich die beiden Schwesterarten allerdings deutlich: 15 bis 25, selten bis 35 Zentimeter, wird die Mairenke groß, im Gegensatz zur Laube, die nur eine 12 bis 15 Zentimeter erreichen kann. Wo ist die Mairenke zu finden? In Mitteleuropa ist sie kaum vorhanden, nur in Zuflüssen des Kaspischen, Schwarzen und Asowschen Meeres sowie in Alpen- und Voralpenseen wie dem Chiemsee und dem Starnberger See gibt es Bestände dieses recht unbekannten Fisches. Die Mairenken, die im Brackwasser leben, ziehen im Herbst flussaufwärts, um dort im Frühling über Sand oder Kies ihre 10.000 bis 15.000 Eier pro Weibchen abzulegen. Ihre Kollegen in tiefen, kalten Seen treibt eine innere Stimme zwischen Mai und Juni ins flache, kiesige Wasser, um dort Hochzeit zu feiern. Männliche Seelauben tragen im Frühling einen Laichausschlag. Dem Hauptlaichmonat Mai hat Alburnus chalcoides auch den deutschen Namen Mairenke zu verdanken. Wenn die kleinen Fischlarven dann später geschlüpft sind, verstecken sie sich so lange zwischen den Kieselsteinen, bis ihr Dottersack aufgezehrt ist. Jetzt heißt es Beute machen. Die muss aber natürlich klein genug sein: Mini-Mairenken machen vor allem Jagd auf Mückenlarven und Plankton. Letzte Frage: Sind Seelauben essbar? Obwohl dieser Fisch weder Schonzeit noch Mindestmaß hat, steht er heute auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht – gute Gründe, von kulinarischen Experimenten abzusehen. Außerdem hat die Mairenke, wie viele andere Weißfische auch, reichlich Gräten. In Südosteuropa wird Alburnus chalcoides trotzdem immer noch befischt und gegessen.
Bjarne Meyer ­