Der Stint

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Fettflosse und Gurkengeruch:  Diese Kombination gibt es nur beim StintFettflosse und Gurkengeruch: Diese Kombination gibt es nur beim StintEin Fisch, der nicht nach Fisch riecht, gibt es den überhaupt? Natürlich – der Stint! Wenn Sie ihn das erste Mal in der Hand halten und an ihm schnüffeln, werden Sie erstaunt sein. Osmerus eperlanus, wie er wissenschaftlich heißt, riecht nämlich nach Gurke. Das hat ihm wohl auch den wissenschaftlichen Namen eingebracht. „Osme“ kommt aus dem Griechischen und heißt „Geruch“. Eine gelungene Beschreibung, wie ich finde. Groß wird dieser kleine Stinker wirklich nicht. Er soll eine Endlänge von 45 Zentimetern erreichen. Solche Fische an der feinen Rute gehen sicherlich ganz schön ab. Machen Sie sich jedoch nicht allzu viel Hoffnung. In der Regel werden Sie Stinte fangen, die zwischen 10 und 20 Zentimetern lang sind. Ab einer Länge von ungefähr zwölf Zentimetern werden die Silberlinge geschlechtsreif und können zwischen 8.000 und 50.000  gelbe Eier produzieren. Stinte sind anadrome Fische. Anadrom kommt aus dem Griechischen: Ana bedeutet „hinauf“ und dromas soviel wie „laufend“. Wer läuft wo hinauf? Na die Stinte in die Flüsse, zum Laichen. Genauso wie Lachse, verbringen Stinte ihr Leben im Meer und wandern nur in die Flüsse, um dort zu laichen. Abhängig von der Wassertemperatur schwimmt der „Smelt“ – so der englische Name – zwischen Februar und Mai zu den Laichgründen. Sandiger oder kiesiger Boden: Hier werden die 0,6 bis 0,9 Millimeter großen Eier abgelegt und bleiben kleben. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die Larven und ziehen ins Mündungsgebiet des Flusses. Garnelen und andere Krebstiere liebt der Stint. Wenn er größer ist, werden auch junge Fischchen gerne gefressen. Viele, winzige Zähnchen im Maul lassen die Beute nicht mehr los. Wo kommt der Kleine denn überall vor? Eigentlich in vielen Küstengewässern Europas: von der Ostsee bis zur südlichen Verbreitungsgrenze – der Mündung des Flusses Gironde in Frankreich. Der typische Geruch und die kleinen Zähnchen im Maul sind gute Erkennungsmerkmale. Es gibt aber noch andere, wie zum Beispiel die zierliche Fettflosse hinter der Rückenflosse: ein Zeichen für die Verwandtschaft mit den Lachsartigen (Salmoniformes). Die Stinte gehören jedoch nicht zu diesen, sondern zu der Ordnung der Stintartigen (Osmeriformes). Der Körper von Osmerus eperlanus ist langgestreckt und mit vielen, kleinen Schuppen bedeckt. Diese glänzen mattsilbern. Während der Stintzeit in den Flüssen können Sie sich mit einem Heringspaternoster eine leckere Mahlzeit zusammenfangen. Ein wenig Salz und Pfeffer, dann in Mehl wenden und in Butter braten – so einfach ist die Zubereitung. Viele pilgern während der Saison in den Norden, um diese kulinarische Delikatesse im Dutzend zu genießen. Für rund 16 Euro bekommen Sie zum Beispiel einen Teller voll mit Stint. Wo? In den Fischrestaurants an der Elbe. Nicht nur gebraten gibt es den „Gurkenfisch“. Auch eingelegt oder geräuchert ist er ein wahrer Gaumenschmaus. Wenn Sie im Gasthaus sind, nehmen Sie sich für wenig Geld ein paar frische Stinte mit – ein Topköder für Hecht, Zander und Barsch! Eingefroren in kleinen Portionen (um die fünf Stück) haben Sie genügend Köderfische für die ganze Raubfischzeit. Der Stint ist heute ein Leckerbissen für Mensch und Raubfisch. Kaum zu glauben: Früher sind noch viele Fische als Dünger auf dem Acker gelandet oder wurden als Schweinefutter verwendet. Zum Glück hat sich das geändert.
Jesco Peschutter