Der Butterfisch

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ButterfischEinen Butterfisch werden wohl die wenigsten Norwegenangler gefangen haben. Trotzdem ist dieser kleine Meeresbewohner mit dem wissenschaftlichen Namen Pholis gunnellus eine interessante Art für „Wer bin ich?“. Denn wer gerne Fisch isst, hat vielleicht schon Filet vom Butterfisch auf dem Teller gehabt. Jetzt die berechtigte Frage: Wie hat es denn jemand geschafft, den maximal 25 Zentimeter langen und aalartigen Fisch zu filetieren? Nein, hier war kein Micro-Chirurg am Werk, sondern es handelt sich einfach um mehrere Arten, die unter dem gleichen Namen im Handel auftauchen. Fische wie Escolar (Lepidocybium flavobrunneum) oder Ölfisch (Ruvettus pretiosus) erreichen ganz andere Größen und heißen im Handel ebenfalls Butterfisch. Da macht dann auch das Filetieren Sinn. Ein Wort der Warnung ist übrigens zum Thema Butterfisch in der Küche angebracht: Die „falschen“ Butterfische enthalten sehr viel Öle und Fette.  Darin sind Wachsester enthalten, die nur schwer zu verdauen sind. Durchfall, Erbrechen und Krämpfe können die Folgen des Fischessens sein. Außerdem wurde bei Unterschungen schon Quecksilber im Filet dieser Arten gefunden. Ehrlicherweise also lieber Finger weg von Butterfisch aus Tiefkühl- oder Frischtheke. Aber als Norwegenangler können Sie ja oft ohnehin lieber selbst gefangenen Fisch futtern. Zurück zu Pholis gunnellus: Die Norweger sind ja bekanntermaßen ein liebenswertes Völkchen und manchmal auch etwas eigen. So führen die Nordmänner und -frauen für unglaublich viele Fischarten Rekordlisten. Dort hab ich eigentlich nur spaßeshalber mal nachgeschaut für Tangsprel, wie der hübsche, schlanke Fisch im Norwegischen heißt. Ich staunte nicht schlecht, als ich wirklich einen recht aktuellen Rekord (aus dem Juni 2010) fand. Gut, 48 Gramm sind nicht viel, aber groß wird der Butterfisch eben nicht. Er lebt übrigens vor allem in flacheren Gefilden bis 30 Meter Tiefe und das nicht nur in ganz Norwegen, sondern auf der östlichen Atlantikseite von der Biskaya bis in die Barentssee. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks finden Butterfische Reviere für ihr Leben als Einzelgänger, das sie am liebsten auf harten Meeresböden oder in der Gezeitenzone führen. Um die lieben Kleinen kümmern sich Butterfische rührend: Mutter und Vater bewachen das Gelege, bis die rund neun Millimeter langen Larven schlüpfen. Passend zur geringen Maulgröße fressen Butterfische in ihrem nur wenige Jahre dauerndem Leben vor allem Kleinkram: Tierchen wie Wasserasseln und Flohkrebse. Um gezielt einen „Butterfisch-Riesen“ über der „magischen 50-Gramm-Marke“ zu fangen, müssten wir also schon mit Stipp-Häkchen ins Land der Fjorde fahren.
Arnulf Ehrchen