Die Doggerscharbe

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Doggerscharbe„Du Doggerscharbe!“ klingt wie eine Beleidigung. Dabei hat der Name wohl eher etwas mit der Doggerbank in der Nordsee zu tun. Im Deutschen heißt der Fisch mit der wissenschaftlichen  Bezeichnung Hippoglossoides platessoides manchmal auch Scharben- oder Ostseezunge. Die letzte Bezeichnung hat ihren Ursprung in den frühen 30ern, als plötzlich ungewöhnlich viele Doggerscharben in der mecklenburgischen Bucht auftauchten. Geblieben sind sie damals nicht lange – schon 1934 ging es rapide bergab mit dem Vorkommen in diesem Ostseegebiet. Heute taucht dieser Fisch nur noch bis in den westlichsten Teil des Brackwassermeeres auf. Das Verbreitungsgebiet bleibt trotzdem groß: auf der Ostseite des Atlantiks vom Englischen Kanal über die gesamte norwegische Küste bis in die Barentssee. Doggerscharben leben aber auch an Islands und Grönlands Küsten, rund um Neufundland und am Nordostzipfel der USA. Wenn uns dieser Plattfisch beim Norwegenangeln begegnet, haben wir es mit der Unterart  Hippoglossoides platessoides limandoides zu tun, was sich grob als klieschenartig übersetzen lässt. Eine gewisse Ähnlichkeit ist tatsächlich da, aber ein Blick aufs Maul bringt sofort Klarheit: Doggerscharben haben eine ordentliche Ladeluke. Weitere Erkennungsmerkmale des Plattfisches sind raue Schuppen und eine fast gerade Seitenlinie. Die große Maulspalte, die bis unter das rechte Auge reicht, bedeutet immer wieder das Ende für Babydorsche, Sandaale, Krebstiere, Seeigel und Würmer. Für Leng, Heilbutt und Großdorsch stellt die Doggerscharbe dagegen nichts anderes als Futter dar. Apropos: Doggerscharben genießen als eine von wenigen Plattfischarten keinen guten Ruf in der Küche. Die kommerzielle Fischerei nutzt diese Platten vor allem zur Fischmehlherstellung. Das Fleisch soll wenig Aroma besitzen und wässrig sein. Zubereitungsvarianten scheint es trotzdem viele zu geben: dämpfen, braten, backen, garen in der Mikrowelle...Wenn Sie sich ein eigenes Urteil zu diesem Thema bilden möchten, kann sich das Filetieren durchaus lohnen, denn Doggerscharben erreichen anständige Größen. In Sachen Länge kann es bis auf über 80 Zentimeter raufgehen! Größen bis 40 Zentimeter sind aber der Normalfall. Dazu passt auch der norwegische Rekord für Doggerscharbe, die im Land der Fjorde Gape-flyndre heißt: 1,015 Kilo, gefangen vor der Insel Andørja. Vielleicht ja eine Herausforderung für Sie als Plattfisch-Fan? Die besten Chancen gibt es über weichem Boden bei Tiefen ab 90 Metern. Mit einem Fischfetzen als Köder sollte es zumindest mit ein paar Doggerscharben klappen, denn sie zählen zu den häufigen Platt­fischen ihres Verbreitungsgebietes.
Arnulf Ehrchen