Der Eishai

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EishaiWer an Großfisch im Hohen Norden denkt, wird höchstwahrscheinlich zuerst Heilbutt im Kopf haben. Doch der nächste „Wer bin ich?“-Fisch stellt auch den größten Butt in seinen Schatten. Es könnte sogar vorkommen, dass ein toter Heilbutt als Nahrung für ihn dient. Ja, sogar Walkadaver sollen den Magen des Riesen aus der Tiefe füllen – die Rede ist vom Eishai. Der auch als Grönlandhai bezeichnete Fisch kann mit Fug und Recht als einer der größten Fische in den Fjorden Norwegens bezeichnet werden. Der aktuelle norwegische Rekord, der erst am 30. Juni diesen Jahres aufgestellt wurde, beweist dies eindrucksvoll: mit einer Länge von 4,10 Metern, einem Umfang von 2,44 Metern und einem Gewicht von 880 Kilogramm ist es der neue Weltrekord für Håkjerring, wie der Eishai in Norwegen genannt wird. Gefangen wurde der Riese im Boknafjord in Südwestnorwegen auf der MS Bodil, die von ihrem dänischen Heimathafen Thyborøn zu einer Eishai-Tour in die norwegischen Fjorde gestartet war. Der zu den unechten Dornhaien gehörende Riese hat ein markantes Erscheinungsbild: der kräftige, torpedoförmiger Körper, die kurze, abgerundete Schnauze sowie die kleinen, dornenlosen Rückenflossen sind unverwechselbar. Mit einer Länge bis vermutlich über sieben Meter und einem Maximalgewicht an die zwei Tonnen ist Somniosus microcephalus, wie er wissenschaftlich heißt, wirklich ein Koloss der Tiefe. Überwiegend kommt der imposante Bursche in Graubraun oder dunklem Olivgrün daher. Sein Oberkiefer ist mit einer Vielzahl kleiner dolchartiger Zähne bestückt. Passend hierzu weist der Unterkiefer eher kurze gedrungene Zahnreihen vor. Ausgestattet mit diesem Gebiss geht der Eishai auf Beutezug. Mittlerweile geht die Forschung davon aus, dass der urige Riese nicht nur nach verendeten Tieren am Meeresboden sucht, sondern aktiv auf Jagd nach lebender Beute geht. Bei der Jagd nach Robben und Fischen bleibt der Eishai nicht nur in der Tiefsee, er steigt auch bis ins Mittelwasser auf und zieht sogar in geringere Wassertiefen. Entlang der Kontinentalhänge zieht Somniosus microcephalus allerdings meist in großen Tiefen bis 2000 Metern seine Kreise. Antreffen können wir den dunklen Koloss in den Gewässern des Hohen Nordens: im arktischen Meer, der Barentssee, von Spitzbergen über Island nach Grönland, sowie in den tiefen Fjorden Norwegens, in der Nordsee und im Atlantik bis zur Biskaya. Außerdem von der Hudson Bay über Neufundland bis hinunter zum berühmten Cape Cod in Massachusetts (USA). Einzel-Sichtungen bestätigen sein Vorkommen auch auf der Südhalbkugel. Der Eishai ist ein extremer Sportfisch: mit stärksten Ruten der 50 bis 80 lbs Klasse sowie großen Multis mit ausreichend Schnurfassung kann das „Eis-Big-Game“-Erlebnis in Angriff genommen werden. Die Angeltiefen liegen mindestens bei 450 Metern!!! Wie beim Big-Game üblich, werden die meisten Fische markiert und wieder released. Für die kommerzielle Fischerei ist der Eishai unbedeutend. Da der Fisch keine Nieren besitzt und sich giftige Harnstoffe in seinem Fleisch festsetzen, ist das Fleisch ungenießbar. Doch irgendwer findet immer eine Lösung: Auf Island wird der Hákarl, wie der Eishai in der Landessprache heißt, über mehrere Monate verarbeitet (vergraben und luftgetrocknet), um ihn überhaupt essbar – der Fermentierung des Fleisches sei dank – aber nicht unbedingt genießbar zu machen. Denn während des Prozesses verdunstet Ammoniak, welches das Fleisch bestialisch zum Stinken bringt. Dementsprechend schmeckt es – aber sehen Sie selbst: Auf www.bissclips.tv in dem Clip „Islands wilder Westen III“ können Sie miterleben, was der Hákarl mit dem Kollegen Paschmanns auf Island anstellt. Guten Appetit!
Timo Keibel