Der gefleckte Steinbeißer

Geschrieben von Administrator am .

Gefleckter SteinbeißerSeinen „kleineren“ Bruder kennen viele Norwegenfahrer gut, doch kann uns auch dieser urige Kollege an die Haken gehen – kalter Angstschweiß inklusive. Die Rede ist vom Seewolf, allerdings nicht vom gestreiften oder grauen Seewolf (Anarhichas lupus), sondern vom gefleckten Seewolf. Anarhichas minor, wie er wissenschaftlich bezeichnet wird, ist der größere, jüngere Bruder vom gestreiften Seewolf. Jünger deshalb, weil er später entdeckt wurde. Vielen sind Seewölfe eher unter dem Namen Katfisch oder Steinbeißer bekannt. Flekksteinbit, so sein norwegischer Name, erreicht eine Länge von maximal 1,80 Meter – im Durchschnitt misst er immerhin noch 1,20 Meter. Dabei bringt er es im Normalfall auf sechs bis 10 Kilo. Der norwegische Landesrekord für gefleckten Seewolf ist mit 27,5 Kilogramm auch gleichzeitig der aktuelle IGFA-Rekord und wurde im Jahr 2000 vor Vannøy aufgestellt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass noch größere Exemplare am Meeresgrund lauern. Ihr Unwesen treiben die Gefleckten Seewölfe in Tiefen von 25 bis 600 Metern, in der Regel aber eher in 100 bis 400 Metern. Sein Revier hat der gefleckte Seewolf bevorzugt auf weichen, steinigen Böden.
Eindringlinge, aber auch Beutetiere und Angler sollten sich vorsehen: Seewölfe haben einen gewaltigen bulligen Schädel, ihr abgerundetes Maul ist mit einer Vielzahl kräftiger Zähne bestückt. Im Vergleich zum gestreiften besitzt der gefleckte Katfisch trotz Größenvorteils die kleineren und schwächeren Zähne. Zur Vollendung des bissigen Gesamtbildes sind Seewölfe mit einer nicht zu unterschätzende Beißkraft ausgestattet – sie ist auch nötig, denn der Grundräuber knackt bevorzugt Muscheln, Seeigel und Krebse und diese haben bekanntlich eine harte Schale. Seinen „gefleckten“ Titel verdankt Anarhichas minor dem Schuppenkleid. Dieses ist meist graubraun oder graugrün und mit unzähligen dunklen, ungleichmäßigen Tupfern verziert. Der längliche Körper hat eine langgezogene Rückflosse, eine verlängerte Afterflosse sowie zwei runde Brustflossen. Die Laichzeit des Schalenknackers erstreckt sich von September bis Januar. Das Weibchen legt in rund 250 Metern eine Laich-Traube in ein Brutnest am Meeresboden. Die jeweilige Ei-Größe hängt von der Größe des Weibchens ab – je größer das Weibchen desto größer die Eier. Generell  liegt der Ei-Durchmesser bei fünf bis sechs Millimetern. Die Larven sind beim Schlupf 21 bis 24 Millimeter lang. Bis zur ersten Geschlechtsreife ist es von dort noch ein langer Weg, denn sie ist erst mit 50 bis 60 Zentimetern erreicht.
Das Verbreitungsgebiet des Flekksteinbit erstreckt sich über den kompletten Nordatlantik: Von Spitzbergen südwärts über die Barentssee zur Küste Norwegens, von den Färöer Inseln und Island bis an die Küste Südostgrönlands. Sowie im westlichen Atlantik von Westgrönland über Nova Scotia in Kanada bis Höhe Massachusetts in den USA. Norwegenreisende können unseren gefleckten Freund ab Höhe Bergen antreffen. Allerdings sind die Bestände nicht grade dicht – gezieltes Befischen scheint daher kaum unmöglich. Aussichtsreichste Fangchancen bieten Nordnorwegen, Island und Grönland. Wer mit Pilker oder Naturköder tiefes Wasser nicht scheut, schraubt seine Chancen in die Höhe. In der Küche ist der Seewolf ein echter Gaumenschmaus – das feste, helle Fleisch ist ideal zum Braten, Frittieren oder Schmoren geeignet. Doch in der Küche ist noch nicht Schluss! Aus der dicken Haut des gefleckten Seewolfs wird zum Beispiel auf Island Leder hergestellt und zu Taschen, Gürteln oder anderen Kleidungstücken verarbeitet. Übrigens gibt es noch eine weitere Seewolfarten im Hohen Norden: den blauen Seewolf (Anarhichas denticulatus), der deutlich kleiner bleibt als die anderen Beißer.
Timo Keibel