Der Heringskönig

Geschrieben von Administrator am .

Der HeringskönigWieso schwimmt denn die Scholle aufrecht?“ Diese auf den ersten Blick berechtigte Frage stellte ein Knirps neben mir seiner Mutter. Beide  standen vor dem Aquarium im norwegischen Bergen und bewunderten einen Heringskönig. Mama kannte keine Antwort und Junior interessierte sich ohnehin schnell für das nächste Becken. „Mama, was ist das für ein Fisch?“ So flach wie er seitlich ist, kann der Heringskönig, wissenschaftlich Zeus faber, oberflächlich betrachtet tatsächlich als Plattfisch durchgehen. Doch bei dem auch Petersfisch genanten Vertreter einer eigenen Familie sitzen die Augen anders als bei den Schollenverwandten auf beiden Seiten des Körpers. Etwas hat dieser grimmig schauende Bursche allerdings mit Flunder, Scholle & Co gemein: Der Heringskönig kann seine Körperfarbe der Umgebung anpassen und sich so prima tarnen. Selber stellt er eine echte Bedrohung für Planktonfresser wie Heringe, aber auch Krebstiere und Tintenfische dar. Fiese Taktik von Zeus faber: vorsichtig an die Beute heranschleichen, dann diese blitzschnell einsaugen. Dafür kann der Petersfisch sein Maul gewaltig weit aufreißen – möglich macht’s eine ausgeklügelte Kieferkonstruktion.
Dass sich dieser Saugjäger mal unseren kleinen Pilker schnappt, ist bei seiner Größe von bis zu 90 Zentimetern und über acht Kilo nicht verwunderlich. Der norwegische Angelrekord liegt allerdings nur bei 1,15 Kilo. Mit einem Gruppenessen für alle Angelkollegen wird‘s allerdings schwer, denn Heringskönige sehen nicht nur griesgrämig aus, sie sind auch tatsächlich Einzelgänger. Bei 5 bis 400 Metern verbringen sie ihre Tage dicht am Grund und warten darauf, dass etwas Fressbares vorbeikommt. Zur Laichzeit im Winter oder zeitigen Frühling werden die Fische ausnahmsweise etwas geselliger und sorgen weiter im Süden für neue Heringskönige. Das nördlichste Laichgebiet liegt in der irischen See. Höchstens 100 Meter tief legen die Weibchen ihre Eier ab, die erst im Wasser von den Männchen befruchtet werden.
Zu verwechseln ist der Petersfisch kaum, da die seitlich extrem abgeflachte Körperform, auffällig lange Strahlen der Rückenflosse und große Bauchflossen eine einzigartige Kombination ergeben. Charakteristisch ist auch der große dunkle, oft gelblich umrandete Fleck auf jeder Flanke. Er soll der Legende nach von Apostel Petrus stammen, der einem Heringskönig ein Goldstück aus dem Maul gezogen haben soll – und dabei die deutlichen „Fingerabdrücke“ hinterließ.
Rezepte? Für diesen „Wer bin ich“-Fisch gibt es viele und der kulinarische Ruf von Saint Pierre, wie die Franzosen ihn nennen, ist hervorragend. Zählen Sie zu den wenigen Norwegenanglern, die einmal das Glück haben, Zeus faber zu haken, setzen Sie ihn nicht zurück. Der Bursche ist einfach zu lecker!
Auch während des Familienurlaubs im sonnigen Süden können Sie dem Petersfisch begegnen, zum Beispiel im Mittelmeer und dem östlichen Atlantik.
Arnulf Ehrchen