Der Dornhai

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Der Dornhai„Wer bin ich?“ ist immer wieder auch ein Kuriositäten-Kabinett. Und es kommen merkwürdige Fragen auf. Wie diese: Was haben die Haarpracht des Dichters Friedrich Schiller und der Dornhai miteinander zu tun? Die Antwort: Die Locken des berühmten Versverfassers waren Namensgeber für enthäutete und heiß geräucherte Bauchlappen des kleinen Hais. Die Ähnlichkeit liegt darin, dass sich die rund 20 Zentimeter langen Lappen beim Räuchern röhrenförmig einrollen und sich am Ende krümmen. So sehen sie ein bisschen wie die Locken des Dichters aus. Geräucherter Hai ist sicher nicht jedermanns Sache, aber mich persönlich können die goldgelben Gebilde schon begeistern. Trotzdem kaufe ich sie so gut wie nie. Denn wie bei vielen anderen Haiarten auch sieht es beim Dornhai nicht gut aus. Durch Überfischung sind die Bestände stark gesunken und der Hai auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten gerutscht. Das gibt selbst leckeren Schillerlocken einen üblen Beigeschmack. Wir treffen Squalus acanthias, wie er wissenschaftlich genannt wird, in ganz unterschiedlichen Tiefen an: vom extremen Flachwasser bis in über 1000 Meter Tiefe. Meist geht er – im Schwarm – aber bei 50 bis 200 Tiefe auf die Jagd nach Fischen, Krebstieren, Würmern oder Tintenfischen. Egal, wo er uns, vor allem beim Naturköderangeln, an den Haken geht, Zurücksetzen ist kein Problem. Eine Schwimmblase hat der Dornhai nicht. Sein norwegischer Name ist Pigghå und der Angelrekord im Land der Fjorde steht bei 8,2 Kilo. Der Fisch mit den charakteristischen Dornen vor jeder der beiden Rückenflossen kann Längen bis 160 Zentimeter erreichen. Dafür braucht er aber Zeit, viel Zeit. Das Höchstalter liegt bei 75 Jahren! Bis Dornhaie für Nachkommen sorgen, lassen sie sich ebenfalls viel Zeit: Die Geschlechtsreife erreichen sie erst nach zehn Jahren. Dann kommt es zu einer echten Kopulation zwischen Männchen und Weibchen, woraufhin sich im Körper des weiblichen Hais Eier entwickeln. Doch diese werden nicht abgelegt, sondern bis zu elf Mini-Haie schlüpfen noch in der Mutter. Mit einer Länge von 20 bis 30 Zentimeter geht’s dann nach 18 bis 22 Monaten im Mutterleib hinaus in die raue Unterwasserwelt. Das Verbreitungsgebiet des Dornhais ist riesig und umfasst sowohl Atlantik als auch Pazifik. Als Meeresangler können wir ihm überall entlang der norwegischen Küste begegnen. Beim Dornhai gibt’s übrigens eine weitere namentliche Verwirrung: Wenn Sie in der Auslage Ihres Fischhändlers Seeaal sehen, haben Sie es schon wieder mit einem Teil des Dornhais zu tun, diesmal den grätenfreien Rückenstücken. Dass Sie aus biologischen Gründen auch hier lieber nicht zugreifen, wissen Sie ja schon.
Arnulf Ehrchen