Der Seeteufel

Geschrieben von Administrator am .

SeeteufelEins steht fest: Unsere „Wer bin ich?“-Art dieser Fische&Fjorde-Ausgabe ist eine echte Delikatesse. Seeteufel im Fischgeschäft zu kaufen, macht keinen Spaß... Als Norwegenangler haben wir immer eine kleine Chance, den Burschen als kulinarisches  Highlight für die Lieben mitzubringen – auch wenn es kaum gelingt, ihn gezielt zu fangen. Dafür sind die Bestände zu klein. Das begehrte Fleisch lässt sich auf viele verschiedene Arten zubereiten. Schonendes Garen, zum Beispiel das Dünsten auf einem Gemüsebett, empfiehlt sich besonders. Wer den „Teufel“ noch nie persönlich getroffen hat, weiß nicht, wie hässlich der Lieferant des hellen, festen Fleisches wirklich ist. In der Auslage des Fischhändlers taucht Seeteufel ohne Kopf und Haut und manchmal unter dem eigentümlichen Namen Forellenstör auf. Die Kombination aus Riesenschädel mit enormer „Ladeluke“ und oben liegenden Augen, abgeplatteter Bauchseite sowie kurzem, spitz zulaufenden Körper mit kleiner Schwanzflosse ist unverwechselbar. Auch sein norwegischer Name passt: Breiflabb. Liegt der „Teufel“ erstmal tot in der Fischkiste, macht er schon einen etwas „breiigen“ Eindruck. Trotzdem wollen viele gern einmal so ein Scheusal fangen. Doch im Schlachtraum der Anlage gilt es dann umzudenken: Filetieren ist nicht angesagt, sondern wir ziehen die recht dicke und schleimige Haut vom Schwanz ab. Das klappt am besten nach einem Einschnitt hinter dem Kopf. Vorher erfühlen Sie bitte genau, wo noch Fleisch ist und wo nur Kopf – so verschwenden Sie nichts. Der dickste Teil der Haut geht ganz gut ab, danach müssen wir immer noch mal dünne Hautschichten abziehen. Die ganz Mühe lohnt sich und ist die  „Pelle“ erstmal runter, sieht’s auch gleich appetitlich aus. Angenehm: Es gibt keine versteckten Gräten, nur die dicke Wirbelsäule verläuft im Schwanz. Schuppen hat der Fisch übrigens auch keine. Der Drill eines Anglerfisches hat seinen Namen kaum verdient. „Das ist bestimmt ein Stein – mit ordentlich Tang drauf“ war schon oft der Kommentar, kurz bevor ein gehakter Seeteufel an der Oberfläche erschien. Wenn’s hoch kommt, ruckt der Fisch ab und zu etwas auf dem Weg nach oben. Aber bei seinem Körperbau ist das ja kein Wunder: Großartig im Mittelwasser hinter flinken Fischchen herjagen geht nicht. Muss der „Teufel“ aber auch gar nicht, denn es klappt ja auch anders: Lophius piscatorius, wie der Fisch wissenschaftlich heißt, ist nicht nur hässlich, sondern auch raffiniert. Er lauert halb eingegraben am Grund und lockt sich seine Beute einfach herbei. Dafür hat ihm die Natur eine kleine, effektive Waffe mit gegeben: Am Ende des ersten Rückenflossenstrahls sitzt ein kleiner Fortsatz. Durch Hin- und Herschwingen dieses Köders lockt der auch Anglerfisch genannte Fallensteller ahnungslose kleine Fische an.  Und saugt sie durch blitzartiges Öffnen der Maulspalte einfach ein! Am liebsten liegt er dabei auf schlammigem oder sandigem Grund in Tiefen von 20 bis 1000 Metern auf Lauer. Neben Fischen verspeist der ungewöhnliche Bursche sogar tauchende Meeresvögel, die er ebenfalls einfach einsaugt. Der Seeteufel erreicht Gewichte bis 60 Kilo bei Längen bis zu fast zwei Metern. Der größte,  bisher in Norwegen geangelte Teufel brachte 57,5 Kilo auf die Waage. Lophius piscatorius hat ein riesiges Verbreitungsgebiet von der nordafrikanischen Küste im Süden über Mittel- und Schwarzes Meer bis in die Barentssee im Norden. Um Island herum lauert er genauso auf Beute wie im Englischen Kanal, der Nordsee und sogar der Ostsee. Und überall lässt sein Lockorgan ahnungslose Fischchen neugierig näherschwimmen...
Arnulf Ehrchen