Der Blauleng

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Der BlaulengWir haben Ihnen auf dieser Seite schon so einige Norweger vorgestellt, die auf den ersten Blick recht außergewöhnlich wirken. Zum Beispiel den Grauen Knurrhahn oder den Seehasen. Andere seltene Bootsbesucher beim Angeln im hohen Norden ähneln so sehr ihren Artverwandten, dass man sie leicht unerkannt in die Fischkiste rutschen lässt. Der Blauleng ist so einer. Der Räuber aus der Familie der Dorschfische mit dem wissenschaftlichen Namen Molva dipterygia dipterygia ist von seinem bekannteren Verwandten, dem Leng (Molva molva), nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden. Schauen wir aber genauer hin, fallen uns die wesentlich größeren Augen des Blaulengs auf. Beim gewöhnlichen Leng ist außerdem der Bartfaden am Unterkiefer länger als der Augendurchmesser – ein sicheres Erkennungsmerkmal. Der Bartfaden des Blauleng ist kürzer, die Augen sind größer. Auch erreicht der Blauleng nicht die Größe seines Bruders, der größten Art aus der Familie der Dorschartigen. Maximal 1,55 Meter bei 30 Kilo sind beim Blauleng verbürgt. Wohingegen sein großer Bruder über zwei Meter erreichen kann und gut 15 Kilo schwerer wird. Beide Arten werden über 20 Jahre alt. Der größte mit der Angel gefangene Blauleng wurde uns erst kürzlich gemeldet: Meeres-Experte und Reiseveranstalter Kai Witt bot vor Hitra in 280 Metern Tiefe ein Seelachsfilet an und fing den neuen Europa-Rekordfisch mit 137 Zentimetern Länge bei 14,96 Kilo (am Fangtag wog der Fisch sogar noch 15,62 Kilo). Dass uns der kleine Bruder des gewöhnlichen Leng in Norwegen eher selten begegnet, liegt an seiner Lebensweise. Er hält sich einfach gerne noch eine Etage tiefer auf. Wollen wir gezielt einen Blauen ans Naturködersystem bekommen, müssen wir unsere Bleie schon zwischen 350 und 500 Meter runterrauschen lassen. Wobei er auch bis in 150 Meter Tiefe aufsteigt, gerne aber auch bis 1500 Meter anzutreffen ist. Das Verbreitungsgebiet des Tiefseeräubers mit den großen Augen erstreckt sich über die Süd- und Westküste Irlands nördlich bis nach West-Island. Er kommt vor der gesamten norwegischen Küste vor. Und wie sein größerer Verwandter ist er hinter allem her, was ihm in der Tiefe vors Maul kommt und kleiner ist als er: Krustentiere aller Art und natürlich Fische wie Wittlinge, Tinten- oder auch Plattfische. In der Literatur heißt es, der Blauleng bevorzuge weichen, schlammigen Grund gegenüber felsigem Boden. Von April bis Mai zieht es den Jäger an die Steilabfälle der europäischen Schelfkante südlich von Island und westlich der Farör und der Britischen Inseln. Jetzt ist Laichzeit angesagt und das Liebesspiel der Leng findet in nicht weniger als 1000 Metern Wassertiefe statt. Die Geschlechtsreife erreicht der Blauleng mit sechs bis sieben Jahren. Dann ist er rund 80 Zentimeter lang. Die Eier des Blauleng sind pelagisch. Sie treiben also frei im offen Meer herum, statt an einem Untergrund zu haften. Aus ihnen schlüpfen die kleinen Leng, die auch die Bestände vor der norwegischen Küste durch Zuwanderung immer wieder auffüllen. Denn schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der europäischen Gesamtfangmenge an Leng macht der Blauleng aus. Und dabei ist er ganz bestimmt kein unbeliebter Beifang: Das feste, weiße Fleisch des Blauleng hat nur wenige Gräten und wird noch höher geschätzt als das seines größeren Bruders. Es enthält gerade mal 0,6 Prozent Fett. Wer im Internet in der Foren der professionellen wie Hobby-Köche stöbert, liest vom Blauleng als echten Geheimtipp und von Rezepten wie Blauleng-Champignon-Gratin. Am besten aber, und das ist der Tenor der Feinschmecker, sei er pur und unverfälscht, nur leicht bemehlt, gesäuert und gesalzen aus der Pfanne. Na, dann guten Appetit!