Die Dreibärtelige Seequappe

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Die Dreibärtelige SeequappeDorsch, Köhler oder Makrele – die wichtigsten Angelfische in Norwegens Fjorden kennt jeder. Doch die Fänge werden immer wieder mit exotischen Arten gewürzt, die kaum jemand kennt. In unserer Rubrik „Wer bin ich?“ wollen wir Ihnen deshalb einige dieser Exoten näher bringen. Wie heißt dieser Fisch, wie erkenne ich ihn, was frisst er, wie groß wird er – und: Ist er essbar? Diesmal: die Dreibärtelige Seequappe 

Norwegen ist Quappenland. In einigen Seen und Flüssen wie der Glomma lebt die Quappe, die wir auch aus deutschen Strömen wie der Oder und Voralpenseen kennen. Und die marmorierte Schönheit erreicht in Norwegen kapitale Größen. Aber wir alle haben spätestens im Vorbereitungslehrgang zur Sportfischerprüfung gelernt: Quappen leben im Süßwasser. Was hat also eine Quappe bei „Wer bin ich?“ zu suchen? Auch im Meer gibt’s Vertreter dieser Familie: die Seequappen. Als Norwegenurlauber können uns drei verschiedene Arten an den Haken gehen, die sich am einfachsten an der Zahl ihrer Barteln unterscheiden lassen. Bei allen drei Arten sitzt je ein Bartfaden unter dem Kinn und zwei bis vier auf oder neben der Schnauze. Die hier vorgestellte Dreibärtelige Seequappe erreicht mit bis zu 60 Zentimetern die größte Länge unter den Seequappen an Norwegens Küsten. Ihre Schwestern bleiben deutlich kleiner: Die Vierbärtelige bringt es auf maximal 40 Zentimeter, für die Fünfbärtelige ist bei rund 25 Zentimetern Schluss. Die lang gestreckte Körperform und die langen Flossensäume zeigen bei allen drei Seequappen deutlich die Verwandtschaft zur Süßwasserquappe. Während wir nur in Süd- und Mittelnorwegen Chancen auf den Fang einer Dreibärteligen Seequappe haben, treffen wir ihre beiden Verwandten bis zum 72. Breitengrad an. Zurück zur großen Schwester mit drei Barteln: Sie kommt auch in der Nordsee, entlang der britischen, französischen, spanischen und portugiesischen Küsten sowie an denen des nördlichen und westlichen Mittelmeers vor. Die Dreibärtelige SeequappeFinden Sie im Familienurlaub beim Marktbummel einen Fisch mit der Bezeichnung motelle (Frankreich) oder motella (Italien), dann haben Sie eine Dreibärtelige Seequappe vor sich. Die Norweger nennen sie 3-tradet Tangbrosme. Wörtlich übersetzt bedeutet das nichts anderes als 3-fädiger (bärteliger) Tanglumb. Eine nachvollziehbare Benennung, denn wie alle Quappen ähnelt auch Gaidropsarus vulgaris(wissenschaftlicher Name) eindeutig dem Lumb, den wir ja auch unter der norwegischen Bezeichnung Brosme kennen. Neben der optischen gibt es zwischen Seequappe und Lumb auch eine kulinarische Ähnlichkeit: Beide schmecken klasse. Spitzenköche aus dem Mittelmeerraum bescheinigen ihr ein zartes, aromatisches Fleisch. Die Zubereitungsmöglichkeiten sind wie bei fast allen Dorschverwandten, die vor Norwegens Küsten leben, vielfältig. Egal, ob Sie Seequappe braten oder kochen – Genuss ist garantiert. Filetieren lohnt sich allerdings nur bei wirklich großen Exemplaren. Den norwegischen Rekord hält aktuell ein Fisch von rund 0,87 Kilo. Die Bezeichnung „Tanglumb“ sagt aber auch schon einiges über den Lebensraum der Seequappe: Wir finden Sie vor allem im recht flachen Wasser der Seetangregion. In Tiefen über 120 Meter zieht es den gefleckten Fisch nur äußerst selten. Anglerfänge sind auch deshalb nicht allzu häufig, weil die Seequappe sich überwiegend von verschiedenen Krebsen, Würmern, Schnecken und Muscheln ernährt. Gelegentlich bereichert sie ihren Speiseplan aber um kleine Fische und schnappt so schon mal einen kleinen Pilker, der eigentlich für Pollack gedacht war.
von Arnulf Ehrchen