Der Flügelbutt

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Flügelbutt

Sein wissenschaftlicher Name ist deutlich exotischer als der Fisch selbst: Lepidorhombus whiffiagonis. Der gebräuchlichste deutsche Name ist Flügelbutt, aber auch als gelber Steinbutt taucht er gelegentlich auf. Im Fischhandel hat dieser Plattfisch einen weiteren deutschen Namen, der wahrscheinlich aus dem Plattdeutschen kommt: Scheefschnut – Schiefschnauze. Woher diese Bezeichnung kommt, wird beim ersten Blick auf die Kopfpartie des Flügelbutt klar. Seine tief eingeschnittene Maulspalte ist sein einfachstes Erkennungsmerkmal und tatsächlich reichlich schief. Sie bedeutet für viele kleine Fische das sichere Ende. Denn anders als die meisten anderen kleineren Plattfische wie Flunder oder Kliesche frisst der Scheefschnut vor allem Fisch. Er ist ein echter Räuber, den Wattwürmer, Muscheln oder Schnecken kalt lassen. Für Tintenfische und Krebstiere dagegen reißt er seine Klappe ebenfalls gerne auf. Zuhause ist der Flügelbutt vor allem in tiefem Wasser: Von 100 bis runter auf 400 Meter Tiefe reicht sein Revier. Am liebsten hat er weichen Boden unterm Bauch. Geografisch geht die Verbreitung von Island und Mittelnorwegen über die Westseite der Britischen Inseln bis nach Nordafrika und bis ins westliche Mittelmeer.
Im englischsprachigen Bereich ist der Butt als Megrim bekannt. Das klingt ganz schön grimmig und passt zu seinem mürrischen „Gesichtsausdruck”. In Norwegen heißt der Platte mit der großen Ladeluke übrigens Glassvar (Glass ist das Wort für Glas). Auch dieser Name weist auf eine Besonderheit des Flügelbutt hin. Gerade die Flossensäume und die äußeren Körperpartien sind etwas gläsern, durchsichtig. Ebenfalls auffällig: das große Schwanzpaddel. Zwischen den ovalen Augen des Butts sitzt eine knöcherne Erhebung und die Augenseite des Fisches hat einige schwarz geränderte kreisförmige Flecken auf überwiegend braunem Grundton. Macht ihn eigentlich recht hübsch.Der Glass- var hat in Norwegen ein Mindestmaß von 25 Zentimetern, was aber die allermeisten gefangenen Flügelbutt deutlich übertreffen. Laut der biologischen Internet-Datenbank www.fishbase.org bringt es der Platte auf maximal 60 Zentimeter Länge. Doch Angler fangen immer wieder auch größere Fische bis an die 70 Zentimeter. Der norwegische Angelrekord liegt bei einem Gewicht von 2,36 Kilo. Gezielt auf Flügelbutt zu angeln ist kaum möglich. Doch in mehreren norwegischen Fjorden, wie dem Romsdal- oder Sognefjord, schnappen die großmäuligen Flachmänner recht regelmäßig nach Pilkern oder Fischfetzen an der Naturködermontage. Ein Tipp zur Landung: Flügelbutt haben nicht nur ein sehr großes, sondern auch ein sehr weiches Maul. Kommt einer der Platten in der Endphase des Drills an die Oberfläche, sollten wir deshalb nicht lange fackeln und ihn zügig „an Bord bitten”. Sonst schlitzt der Butt doch noch aus und verabschiedet sich wieder in Richtung Tiefe. So fällt nicht nur das Erinnerungsfoto an einen ulkigen Vogel unter den Fischen aus, sondern uns gehen auch vier leckere Filets durch die Lappen. Obwohl auch schlechte Kritiken über Flügelbutt als Küchenfisch zu finden sind, gilt er im Mittelmeer-Raum als Delikatesse und hat zum Beispiel in der portugiesischen Fischküche einen festen Platz. In den meisten Rezepten wird er durch einen Aufenthalt im Backofen (in verschiedenen Soßen, zum Beispiel mit Weißwein) oder als Bratfisch zum Gaumenschmaus. Letzteres kann ich auch aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Im Hause Ehrchen gab es inzwischen mehrere Male gebratenes Filet vom Flügelbutt (mit Zitronenpfeffer und Salz gewürzt und vorm Braten leicht bemehlt), was sogar meiner eher fischkritischen Frau echte Begeisterung entlockte. Herrlich: ein Exot, der auch noch lecker schmeckt. Da freut man sich doppelt über einen der Zufallsfänge, die das Angeln in Norwegens Fjorden noch spannender machen.