Das Petermännchen

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Es passiert immer wieder, und lange nicht nur in Norwegen: Angler stechen sich an der Rückenflosse oder dem Kiemendeckel eines Petermännchens. Im harmlosesten Fall bedeutet das starke Schmerzen und Taubheitsgefühle, im schlimmsten Fall kann es den Tod zur Folge haben. Der kleine Fisch gehört zu den giftigsten Fischen Europas. Apropos klein: Trachinus draco, wie die Wissenschaftler diesen Vertreter aus der Unterordnung der Drachenfische nennen, kann durchaus eine ganz ordentliche Länge erreichen. 53 Zentimeter wurden schon gemessen und 1,86 Kilo gewogen. Der norwegische Angelrekord für Fjesing (so der norwegische Name) liegt bei über einem Pfund, genauer bei 650 Gramm. Doch bevor Sie in Norwegen ein eventuell noch größeres Exemplar voller Fangfreude an die Waage hängen – Vooorsicht! Allzu schnell passiert es und bohrt sich einer der Stachel in die Haut des Fängers. Aber jetzt bloß keine Panik. Das PetermännchenHopfen und Malz sind noch nicht verloren. Starke Wärme neutralisiert das Gift. Ist schnell heißes Wasser verfügbar, erhitzen Sie es auf rund 45 Grad und tauchen das betroffene Körperteil (meist Hände oder beim Baden Füße) so lange hinein, wie es auszuhalten ist. Achtung: Unbedingt Verbrühungen durch zu heißes Wasser vermeiden. Weit vor den Schären oder mitten auf dem Riesenfjord sind Wasserkocher oder Kochtopf natürlich nicht zur Hand. Hier kann sich ein rauchender Angelkollege nützlich machen. Denn die Glut einer Zigarette, so dicht wie das Opfer es aushält, an die Einstichstelle gehalten, wirkt ebenfalls Wunder. Auch bei dieser Technik ist extremes Fingerspitzengefühl gefragt. Denn mit Brandblasen ist dem ohnehin leidgeplagten Angelfreund auch nicht geholfen. Kommt die Einstichstelle trotz schnell ergriffener Maßnahmen nicht zur Ruhe, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf.

Fieser Faulpelz?
Was aber macht so ein Petermännchen eigentlich, wenn es nicht gerade Angler sticht? Das typische Petermännchen verbringt seinen Tag so wie viele ihren Sommerurlaub: einfach im Sand liegen. Kommt allerdings eine Garnele, Grundel oder ein anderer kleiner Fisch auf unter einen Meter heran, wird aus dem Faulenzer schnell ein tödlicher Jäger. Denn seine Lieblingsbeute lässt sich das schlanke Tier nicht entgehen. Aber Petermännchen liegen nicht nur faul im Sand und lauern, sondern unternehmen immer wieder auch größere Ausflüge und schwimmen gerade nachts deutlich über dem Grund umher. Dabei bilden sie sogar kleine Schwärme und gehen immer wieder in das Garn von Stellnetzen. Viele Fischer haben beim Netze leeren schon unangenehme Bekanntschaft mit den stachligen Fischen gemacht. Petermännchen haben übrigens ein sehr großes Verbreitungsgebiet. In Norwegen treffen wir sie an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze, während auch afrikanische Fischer, zum Beispiel im Senegal, ganz genau wissen, warum sie lieber mit Plastikbadelatschen ins Flachwasser steigen, um ihr Boot zu erreichen. Nordsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer und auch die westliche Ostsee beherbergen ebenfalls Petermännchen. Gerade zur Laichzeit, die meist zwischen Juni und August liegt, sammeln sich die Fische. Unpassenderweise fällt das in die Haupturlaubszeit, wo an vielen Küsten Menschen zur Abkühlung ins sandige Flachwasser rennen...

Lebensgefährlich, aber lecker!
Doch Petermännchen haben auch eine gute Seite, genauer genommen sogar zwei davon: ihre Filets. Denn die grimmigen, giftigen Burschen schmecken vorzüglich. Ihr Fleisch ist zwar eher trocken, aber sehr lecker. Damit es nicht zu Unfällen an der Fischtheke kommt, werden sie im Handel gleich ohne Kopf und erste Rückenflosse angeboten – sicher ist sicher! In Frankreich ist diese Maßnahme sogar Vorschrift. Das ist auch deshalb wichtig, weil der kleine Fisch mit dem grimmigen Gesichtsausdruck Zutat in einem der bekanntesten französischen Gerichte überhaupt ist: der Boullabaise. Wo englisch gesprochen wird, heißt das Petermännchen Greater Weever, in französischsprachigen Ländern nennt er sich Grand vive. Gut zu erkennen ist der Bursche eigentlich immer: Die stark nach oben ausgerichtete Maulspalte, das vom Rücken diagonal Richtung Bauch verlaufende Streifenmuster und seine extrem schlanke, sich zum Schwanz hin verjüngende Körperform machen Verwechslungen unwahrscheinlich. Wer noch Zweifel hat, ob er es mit einem Petermännchen zu tun hat, sucht nach zwei bis drei kleinen Stacheln am vorderen Rand der Augenhöhle und dem kräftigen Stachel auf dem Kiemendeckel. Dass Sie dabei extrem vorsichtig sein sollten, wissen Sie jetzt ja!