Der Kuckuckslippfisch

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Auch unter den Fischen gibt es komische Vögel. Der Kuckuckslippfisch (aktueller wissenschaftlicher Name Labrus mixtus, früher Labrus bimaculatus) ist auf jeden Fall einer davon. Im Land der Fjorde und Berge heißt der Fisch Rødnebb, was Rotschnabel bedeutet. Sein Äußeres mit grellen Blau- und Orangetönen, schon fast neonfarben, ist unverwechselbar. Diese bunten Burschen sind übrigens immer die Männchen. Frau Kuckuckslippfisch hält es eher mit der schlichten Eleganz. Ihre Garderobe wird von einem deutlich dezenteren, bräunlichen Orange bestimmt. Nur zwei, drei dunkle Schönheitsflecken im Bereich Rücken/Schwanzstiel peppen das Kleid auf. Eine Zeit lang hielten sogar Wissenschaftler beide Geschlechter deshalb für verschiedene Fischarten.
Aber über die optischen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen kommen wir zum Erstaunlichsten am Kuckuckslippfisch: Aus Weibchen werden Männchen! Alle Kuckuckslippfische sind zuerst Damen, nach rund sieben Jahren wandeln sie sich aber in Männchen um. Diese Umwandlung nimmt nur rund sieben Monate in Anspruch. Es handelt sich also bei den Kuckuckslippfischen um Zwitter, die in diesem Fall auch als protogyne Zwitter bezeichnet werden. Dieser Ausdruck stellt klar, dass der Fisch zuerst Weibchen ist. Den anderen Fall gibt es im Tierreich auch: Bei proterandrischen Zwittern werden aus Männchen später Weibchen. Junge Männchen des Kuckuckslippfisches sehen übrigens noch wie Weibchen aus, ihre bunte Färbung entwickeln sie erst nach und nach. Kuckuckslippfisch Die „Gespielinnen" eines protzig-grellen Lippfisch-Casanovas sind also deutlich jünger als er, aber es sei ihm gegönnt! Unter den rund 500 Lippfischarten ist der Vorgang der Geschlechtsumwandlung nicht außergewöhnlich. Was Sie bei dieser Ausgabe von „Wer bin ich?" nicht bekommen werden, sind Rezepte für die vorgestellte Art. Mit einer Maximallänge von rund 50 Zentimetern und einem Höchstgewicht von über einem Kilo erreicht der Kuckuckslippfisch (Männchen) durchaus eine küchenfähige Größe. Aber die überwiegende Mehrheit aller, die es probiert haben, waren wenig begeistert. Als Filet, in der Pfanne, geräuchert – egal. So richtig geschmeckt hat der Kuckuckslippfisch nur wenigen. So lassen ihn auch die meisten Angler schonend wieder schwimmen, wenn er sich den Köder geschnappt hat, der zum Beispiel für Pollack gedacht war. Als Beifang beim Pollackangeln ist der bunte Bursche gar nicht so selten, denn wie der Zielfisch in diesem Moment auch hält sich der Lippfisch gern an felsigen Ufern auf. Dort füllt er seinen Magen normalerweise mit Muscheln, Schnecken und Krebsen.
Der Gattungsname Labrus kommt vom griechischen Wort labros, was neugierig bedeutet. Vielleicht liegt es auch an dieser Neugier, dass Kuckuckslippfische beim ufernahen Angeln auf alle möglichen Köder beißen. „Einfach mal probieren" scheint ihre Devise zu heißen – und schon hängen sie am Haken. Von dem befreien sie aber zum Glück die meisten Angler wieder, damit der Fisch mit den wulstigen Lippen weiter für ordentlich Farbe in der Fischwelt sorgen kann. Kuckuckslippfische tun dies übrigens vom Senegal im Süden bis Norwegen im Norden. Mit bis zu 25 Jahren erreicht der Paradiesvogel der Fjorde ein recht stattliches Alter.