Der Goldlachs

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Beim Rotbarschangeln mit kleinen Fischfetzen oder beim tiefen Fischen mit Gummi-Makks auf alles, was beißt, passiert es Norwegenanglern immer mal wieder: Ein schlanker, silberner Fisch mit kleiner Fettflosse und viel zu großen Augen hängt am Haken – gestatten, ich heiße Goldlachs. Der deutsche Name ist allerdings genauso irreführend wie die norwegischen. Im Land der Fjorde heißt Argentina silus, so der wissenschaftliche Name, entweder Vassild oder Stavsild und auch Kvitlaks. „Sild“ ist der norwegische Begriff für Hering, „Laks“ der für Lachs. Doch verwandt ist der Goldlachs mit keinem der beliebten Speisefische besonders eng. Als Mitglied einer eigenen wissenschaftlichen Familie – Argentinidae mit über 30 Arten  – gehört er auch zu einer ganz anderen Ordnung als Hering und Lachs, genauer zu den Argentiniformes. Doch das soll an Systematik hier reichen, schließlich gibt es Interessanteres über den großäugigen Silberling zu berichten. Obwohl seine Augen schon verraten, dass er ein Vertreter der Tiefsee ist, erreicht er im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewohner der dunklen Tiefen eine ordentliche Größe.
Bis zu 70 Zentimeter lang wird Argentina silus und ist damit größter Vertreter der Argentinidae. 2007 ging einem Angler im Bømlafjord ein Goldlachs mit 1,472 Kilo an den Haken: norwegischer Rekord. Aber noch einmal zurück zum Thema Tiefe: Lassen wir unsere Montagen 200 Meter herab zu Rotbarsch & Co, ist das für uns schon echtes Tiefseeangeln. Für den Goldlachs sind 200 Meter aber eher ein Ausflug ins Flache. Bis über 1400 Meter tief taucht er sonst ab, nur selten steigt er dagegen in Tiefen von weniger als 150 Meter hinauf. Da Fische aber zum Glück nie Fischbücher lesen, hat der eine oder andere Goldlachse auch schon deutlich flacher gefangen. Wenn es dort viel zu fressen gibt oder „unten“ der Sauerstoff knapp wird, ziehen viele Flossenträger der Tiefsee ein paar Stockwerke höher ein. GoldlachsSelbst große Leng beißen im Sommer gelegentlich auf 40 Metern. Kommerziell wird der Goldlachs entweder als Frischfisch für den direkten Verkauf gefangen oder zu Fischmehl verarbeitetet. Seine Lebensweise als bodennaher Schwarmfisch macht es den Netzen natürlich besonders einfach. Eigentlich ist der silberne Bursche aber viel zu schade als Mehllieferant. Denn viele Angler, die sich mit der Verwertungsfrage beschäftigt haben, sind sich einig: unbedingt räuchern! Da schließt sich dann auch wieder der Kreis mit seinen „Herings“- und „Lachs“-Namen: Auch diese Flossenträger werden im Rauch ja zu echten Delikatessen. Hängt zwischen den Rotbarschen an Ihrem Fetzenköder-Paternoster nächstes Jahr also ein Goldlachs, sollten Sie ihn nicht über Bord werfen, sondern lieber in die Fischkiste legen. Ein Zurücksetzen ist beim Fang aus großen Tiefen ohnehin immer von fragwürdigem Erfolg. Bei der Futtersuche ist der Goldlachs übrigens wenig wählerisch: Von kleinem, tierischen Plankton wie Pfeilwürmern und Rippenquallen über größere Häppchen wie Krill und kleinere Tintenfische lässt er sich alles munden, was ihm vors Maul kommt. Auch kleine Fische finden großen Gefallen bei Argentina silus. Fischfetzen und Beifänger an unseren Montagen passen da natürlich perfekt ins Beuteschema... Bis ein Goldlachs allerdings die Klappe weit genug aufreißen kann, um unsere Köder zu schnappen vergehen einige Jahre. Selbst ein „nur“ 35 Zentimeter langer Fisch hat schon rund acht Jahre Plankton gefressen. Und ist gerade mal seit einem Jahr geschlechtsreif, denn erst mit sieben Jahren beteiligen sich die heranwachsenden Goldlachse am Liebesleben der Erwachsenen. Die laichen irgendwann zwischen April und Juli. Ihre Eier und später auch Jungfische leben nicht am Meeresboden, sondern pelagisch, werden also von den Strömungen mitgenommen, bis sie genug Kraft besitzen, dorthin zu schwimmen, wo es ihnen gefällt. Um zu Rekordgrößen abzuwachsen, benötigt der Goldlachs bis zu 35 Jahre. In Norwegen treffen wir ihn mitten in seinem Verbreitungsgebiet, das den Nordostatlantik von Spitzbergen bis Irland, tiefe Teile der Nordsee sowie den Nordwestatlantik von der Davisstraße (zwischen Südwestgrönland und Alaska) bis zu den Grand Banks vor Neufundland umfasst.