Der Seehecht

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Er ist sicher häufiger Gast im Boot von Norwegenanglern als die Fische, die wir bisher in dieser Rubrik vorgestellt haben. Trotzdem passt der Seehecht in diese Rubrik – weil er einfach oft gar nicht erkannt wird. Verwechslungen  kleinerer Exemplare mit Wittling oder auch Pollack sind nicht selten. Also, wie erkennen wir ohne Fischbestimmungsbuch, dass da ein Seehecht am Haken hängt? Aufs Maul geschaut ist da die einfachste Devise: Wie bei Wittlingen auch können wir bei Merluccius merluccius (wissenschaftlicher Name des Seehechts) sofort deutlich Zähne auf den Kiefern erkennen. Was aber ähnlich schnell ins Auge fällt, ist die dunkle Färbung der Mundhöhle. Einen Bartfaden spart sich dieser Vertreter der Dorschartigen genauso wie die beiden genannten Verwechslungskandidaten. Weiter geht's in Sachen Unterscheidung mit den Flossen: Wittling und Pollack  recken stolz drei Rückenflossen hoch und tragen zwei  Afterflossen unter dem Körper. Der Seehecht hat dagegen nur zwei Rückenflossen, von denen die hintere allerdings sehr, sehr lang ausfällt.
Lang ist auch seine einzige Afterflosse. Apropos Länge: Mit rund 1,40 Metern erreicht der Seehecht eine ähnliche Endgröße wie der Herrscher unserer meisten Seen und Flüsse, der Hecht. Anders als Esox macht Merluccius aber sehr große Unterschiede zwischen Kunst- und Naturködern. Während der Süßwasserräuber seine Zähne sowohl in tote Plötzen als auch Gummifische und Wobbler schlägt, ist der Seehecht weder mit Pilkern, Gummifischen noch Beifängern wie Gummi-Makks regelmäßig zum Biss zu überreden. Dieser Fisch ist ein „Fleischfresser"! Mit Fischfetzen an allen Drillingsflunken steigern wir unsere Erfolgschancen schon etwas. Wer es aber gezielt auf Seehecht probieren möchte, zum Beispiel am Sognefjord, ist mit Fischfetzen oder kleinen ganzen Köderfischen deutlich besser beraten. Heringe gelten dabei als beste Variante, deutlich vor Köhler oder Makrele. Die Frage nach fängigen Tiefen ist nicht eindeutig zu beantworten: Ich habe schon selber zwei schöne Seehechte fotografiert, die ganze Heringe bei nur 30 Metern Tiefe genommen hatten. Wesentlich häufiger scheinen Seehechtfänge aber bei Tiefen von 50 bis 150 Metern zu sein. Haken Sie hier einen der Räuber mit spitzer Schnauze, sollten Sie schnell sein: am besten den Punkt im GPS „wegdrücken"  und schnell eine weitere Drift ansetzen. SeehechtDieser „Hecht " ist kein Einzelgänger und häufig in Trupps unterwegs. Auch in dieser Ausgabe von „Wer bin ich?" gibt es wieder keine Rezepte für die vorgestellte Fischart, aber nicht deshalb, weil der Seehecht ungenießbar wäre – im Gegenteil. Sein festes, weißes Fleisch ist ein Genuss und die Zubereitungsmöglichkeiten sind riesig. Filets oder bei größeren Exemplaren auch Kotelets werden in der Pfanne zu einem äußerst schmackhaften Mahl am Abend eines erfolgreichen Angeltages. Dünsten ganzer Fische oder das Ausbacken von Filets in der Fritteuse sind weitere bewährte Wege zum Seehechtgenuss. Wer experimentierfreudig ist und ein größeres Weibchen fängt, das Laich trägt, kann auch den Rogen braten – in Spanien eine beliebte Delikatesse. Spanien? Ja, auch an den Küsten diese Landes kommt Merluccius merluccius vor, sein Verbreitungsgebiet reicht vom gesamten Mittelmeer (außer dem östlichsten Teil) über die nordwestafrikanische Küste bis nach Nordnorwegen. Während Seehechte auch westlich von Irland leben und sogar an der isländischen Südküste zu fangen sind, klappt es in der Nordsee nur selten. Vor Norwegens Küsten dagegen haben wir von Oslo bis zum Nordkap gute Chancen, einen der grimmig guckenden Räuber zu haken. Unter dem Namen Seehecht werden Ihnen neben unserem „Hecht" auch immer wieder Verwandte aus der Gattung Merluccius im Fischgeschäft oder an der Tiefkühltheke begegnen. Der Schwarze Seehecht (Dissostichus eleginoides), der wegen Überfischung oft in den Schlagzeilen auftaucht, ist allerdings kein naher Verwandter.