Der Seehase

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Wer Fisch ist und Hase heißt, muss etwas Besonderes sein. Das trifft für den Seehasen 100-prozentig zu. Seinen deutschen Namen hat der plumpe Fisch, der auch Lump (nicht zu verwechseln mit dem Lumb) genannt wird, allerdings nur von einer zeitlichen Überschneidung. Denn wenn die Seehasenweibchen zwischen Februar und Mai ihre bis zu 200 000 Eier legen, sind auch die Osterhasen unterwegs. Seehase ist übrigens auch die Bezeichnung für eine Schnecke, die ebenfalls im Meer lebt, was deutlich zeigt, wie verwirrend umgangssprachliche Tiernamen sein können. Wissenschaftler sind anders. Sie nennen unseren „Wer bin ich?“ -Fisch dieser Ausgabe immer Cyclopterus lumpus. Auffällig ist an ihm fast alles, zum Beispiel die Körperform, die an nichts Lebendiges, sondern eher an einen Stein erinnert. Die nächste Besonderheit sitzt unterm Bauch.
Statt der Bauchflossen finden wir hier eine Saugscheibe, mit der sich der Seehase am Boden festhalten kann. Das ist auf seinem liebsten Untergrund auch gar nicht einfach, denn Cyclopterus lumpus hat's gerne hart. Bei Tiefen zwischen 50 und 150 Metern und steinigem Grund fühlt sich der ungewöhnliche Fisch besonders wohl. Doch manchmal zieht es ihn auch in richtiges Flachwasser oder bis in dunkle Tiefen von über 800 Metern. Nächster Punkt: Schuppen. Auch hier Fehlanzeige beim Seehasen. Dafür ist sein Körper mit kleinen Knochenhöckern und Dornen besetzt. Insgesamt eine unverwechselbare Erscheinung. Anders als andere merkwürdige Wasserbewohner mit Flossen bringt es der Fisch aus der Ordnung der Panzerwangen aber auf ordentliche Längen. Über 60 Zentimeter kann er erreichen und dank seiner hochrückigen Form auf Gewichte von fast zehn Kilo kommen. Der norwegische Angelrekord steht bei beeindruckenden 8,635 Kilo und stammt aus dem Ombofjord in der Nähe von Stavanger. Beim norwegischen Namen des Seehasen stehen gleich drei zur Auswahl: Rognkall, Rognkjaeks oder Rognkjeks. Die letzten beiden bedeuten übersetzt Rogen-Keks. Fragen Sie mich bitte nicht warum! Namen hat der Seehase viele, denn sein Verbreitungsgebiet ist groß. Etwa ab dem 45. Breitengrad auf beiden Seiten des Atlantiks ist er anzutreffen. Auf der europäischen Seite geht’s im Süden an der französischen Küste los und in Nord- und Ostsee weiter. Auch entlang der kompletten norwegischen Küste und bis in die russische Barentssee leben Seehasen. Britische und isländische Küsten sind ebenfalls Hasen-Heimat.Seehase Doch zurück zum Anfang des Textes und dem Laichgeschäft. „Papa passt auf“ ist das Motto. Männliche Seehasen bewachen das Gelege, bis die „Häschen“ als Jungfische die Grube verlassen.  Sie haben dann Kaulquappenform und gerade einmal sechs bis sieben Millimeter Länge. Den ersten Sommer über bleiben „die lieben Kleinen“ in der Seetangregion, um dann mit Beginn des Winters ins Tiefere abzutauchen.
Was frisst der Seehase? Ein Vegetarier ist er nicht, doch seine Lieblingsnahrung ist mir ähnlich fremd wie fleischlose Ernährung. Rippenquallen stehen da auf der Speisekarte, Würmer, Flohkrebse, aber auch kleine Fische wie Grundeln. Gelegentlich schnappt er auch schon mal nach einem Pilker. Dann stellt sich die Frage: Essen oder nicht? Kulinarisch hat der Fisch einen gewissen Ruf – unter anderem als Lieferant für Deutschen Kaviar. Hinter diesem hochtrabenden Namen verbirgt sich Seehasen-Rogen, der schwarz eingefärbt unter dieser Bezeichnung gehandelt wird. Mit Preisen von zwei bis vier Euro, pro 50–Gramm-Dose wohlgemerkt, ist aber auch dieser „Kaviar“ kein Schnäppchen. Wie sieht’s mit dem Fisch selber aus? Eine Delikatesse haben wir nicht am Haken. Männliche Seehasen sollen noch am besten schmecken, doch auch ihr Fleisch ist wasserreich und gallertartig. Sollte also in einem norwegischen Fjord einmal ein „Häschen“ an Ihrem Köder knabbern und hängen bleiben, lassen Sie ihn einfach wieder schwimmen. Auch wenn er in größerer Tiefe gebissen hat, wird  er das Zurücksetzen mit hoher Wahrscheinlichkeit überleben. Denn eine Schwimmblase, die sich gefährlich ausdehnen könnte, hat der Seehase nicht.