Der Klippenbarsch

Geschrieben von Arnulf am .

KlippenbarschDer kleine, unscheinbare Klippenbarsch zählt zu den Labridae, den Lippfischen, und damit zu einer Fischfamilie, die uns an Norwegens Küsten recht häufig begegnet. Und das gleich in Form einiger Arten. Mit dem Kuckuckslippfisch hatten wir vor vielen Ausgaben schon einen Vertreter dieser Familie hier bei „Wer bin ich?“. Die farbenprächtigen Männchen können wir mit einen Klippenbarsch allerdings kaum verwechseln. Brauntöne dominieren das Schuppenkleid bei dem maximal 18 Zentimeter langen Bewohner felsiger Küsten. Weibliche Kuckuckslippfische ähneln Klippenbarschen zwar schon auf den ersten Blick, aber hier hilft Flecken suchen und zählen. Ctenolabrus rupestris, wie der Fisch in diesem Portrait wissenschaftlich heißt, hat je einen schwarzen Fleck am Ansatz seiner langen Rückenflosse und oben auf dem Schwanzstiel. Weibliche Kuckuckslippfische haben zwei bis drei Flecken, die alle oben auf dem Schwanzstiel sitzen.

Wenn wir Klippenbarsche suchen, halten wir uns am besten an den Algengürtel felsiger Uferpartien, wo die Fische vom extremen Flachwasser bis in rund 20 Meter Tiefe gern auf Nahrungssuche gehen. Tiefer als 50 Meter zieht es den kleinen Burschen selten runter. Wie sieht’s mit einer Verwertung aus? Wenn wir den norwegischen Angelrekord für Bergnebb (Bergnaeb) von gerade einmal 126 Gramm betrachten, stellt sich diese Frage wohl kaum. Klippenbarsche werden wir ohnehin eher mal vom Bootssteg aus im klaren Fjordwasser sehen als bei einer Ausfahrt fangen. Denn wer angelt schon mit 14er Häkchen plus Fischfetzen im Fjord? Trotzdem ist der Klippenbarsch ein interessanter kleiner Kerl, der zu genau der Fischvielfalt beiträgt, die das Angeln im Urlaubsland Nummer eins der Meeresangler so spannend macht. Obwohl seine typische Nahrung aus Würmern und verschiedenen Krebstierchen besteht, traut er sich auch an erstaunlich große Fische heran: Lachse. Lachse? Ja, Farmlachse. Denen rückt er ganz ungeniert auf den „Schuppenpelz“. Packen und herunterwürgen will und kann der Klippenbarsch sie natürlich nicht, aber die Parasiten, die den in Netzkäfigen eingesperrten Mastfischen das Leben erschweren, passen prima ins Beuteschema der kleinen Lippfischart. Lachsfarmer setzen Klippenbarsche deshalb bewusst als Putzerfische ein, die ihre Lachse „lausen“ sollen. Biologische Lebensmittelhygiene – eine clevere und saubere Sache! Klippenbarsche haben übrigens ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von Mittelnorwegen als nördlichster Grenze über Nordsee und die britischen Gewässer bis nach Nordafrika reicht. Und im Badeurlaub am Mittelmeer können wir selber uns ja vielleicht mal die Füße von einem der braunen Burschen putzen lassen – wenn wir lieb fragen.