Der Bandfisch

Geschrieben von Arnulf am .

Dieser 1,30 Meter lange Bandfisch ging im August 2011 an den Haken eines deutschen Angelurlaubers. Mit 7,4 Kilo lag er sogar über dem offiziellen RekordDieser 1,30 Meter lange Bandfisch ging im August 2011 an den Haken eines deutschen Angelurlaubers. Mit 7,4 Kilo lag er sogar über dem offiziellen RekordOkay, echte Exoten hatten wir in dieser Fische&Fjorde-Rubrik schon einige, aber wohl keiner von ihnen war so selten wie der Bandfisch, über den selbst die Biologen wenig wissen. Dieses eigenartige Flossentier sieht noch am ehesten wie ein in die Länge gezogener, silberner Plattfisch aus. Aber ihm scheint ein kompletter Flossensaum zu fehlen und die großen Augen sitzen, wie bei anderen Nicht-Plattfischen auch, „ordentlich“ an beiden Kopfseiten. Passend zum Plattfischvergleich nennen die Norweger den Fisch mit wissenschaftlichem Namen Trachipterus arcticus Sølvkveite. Wörtlich übersetzt heißt das „Silberheilbutt“. Und ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich tatsächlich einen norwegischen Rekord für diese Fischart gefunden hab. Hier gilt die einfache Merkregel: Ist der Fisch auch noch so exotisch, so gibt es doch einen norwegischen Angelrekord! Er liegt bei 6,25 Kilo. Dieser 1,52 Meter lange „Silberheilbutt“ biss im Oktober 2010 am Ausgang des Mistfjordes (Kommune Hemne) auf einen 150-Gramm-Pilker. Trotz dieser ordentlichen Länge handelte es sich um einen Jungfisch. Geschlechtsreif werden Bandfische erst bei rund zwei Metern Länge. Dann haben Sie aber schon 14 Jahre auf den Gräten. Im Lauf Ihres Lebens werden sie anders als viele Menschen übrigens immer schlanker. Was bleibt, sind die stark seitlich abgeflachte, namensgebende Körperform, extrem kleine Brust-, Bauch- und Schwanzflossen sowie die silbernen Flanken, die einige dunkle Punkte unterschiedlicher Größe tragen können.

Für einen Exoten fällt die Nahrung des Bandfisches recht unspektakulär aus: Neben Fischen frisst er vor allem Tintenfische. Da Trachipterus arcticus aber im Regelfall 300 bis 600 Meter unter der Meeresoberfläche auf Beutezug geht, dürften es nur selten die typischen norwegischen Futterfische wie Heringe oder kleine Köhler sein, die Dorsch, Heilbutt & Co zu Riesen abwachsen lassen. Trotz allem: Verirren sich Bandfische in angelübliche Tiefen zwischen 50 und 100 Metern, ­schnappen sie schon mal nach einem Bleifisch oder auch einem Fetzenköder. Das macht Norwegenangeln so  spannend: Was hängt jetzt am  Haken? Das macht Norwegenangeln so spannend: Was hängt jetzt am Haken?
Kann man Bandfische essen? Ganz ehrlich? Keine Ahnung, aber zumindest als giftig werden sie nicht eingestuft. Wenn Sie jetzt auf Ihrer nächsten Norwegen-Tour gezielt einen fangen sollten, um seine kulinarischen Qualitäten zu testen, dann spielen Sie unbedingt auch Lotto. Denn wer so viel Glück hat, ist jetzt schon fast Lotto-Millionär. Bandfische tauchen in Norwegen zwar zunehmend häufiger auf, aber fast immer handelt es sich um angespülte tote oder sterbende Exemplare. Fänge mit der Angel sind nach wie vor echte Zufallstreffer. Apropos angespült: Ein Verwandter von Trachipterus arcticus namens Trachipterus ishikawae trägt in Fernost den übersetzten Namen Erdbebenfisch, da er immer wieder nach heftigen Beben vermehrt an den Küsten gefunden wird. Hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen für die Zunahme von Bandfischen an den Küsten norwegischer Fjorde!