Die Echte Rotzunge

Geschrieben von Arnulf am .

Das ist keine Kleine: kapitale Echte Rotzunge aus DänemarkDas ist keine Kleine: kapitale Echte Rotzunge aus DänemarkMicrostomus kitt ist nicht etwa ein Zusatzbauteil für Ihren heimischen PC, sondern der wissenschaftliche Name für den nächsten Plattfisch, der in unserer Fische&Fjorde-Rubrik „Wer bin ich?“ Einzug hält. Im Deutschen heißt der Fisch simpel: Limande oder auch Echte Rotzunge. Sie fragen sich nun bestimmt: „Wieso Echte?“ Für die Abgrenzung zur ebenfalls als Rotzunge bezeichneten Fisch namens Hundszunge oder Aalbutt (Glyptocephalus cynoglossus) ist dieses Adjektiv von entscheidender Bedeutung, um die Fische auseinander zu halten. Der rechtsäugige Flachmann mit den großen Glubschern ist gut an seinem kleinen Kopf und seiner ebenfalls nicht sehr groß geratenen Mundöffnung, die von richtigen „Knutschlippen“ gekennzeichnet wird, zu erkennen. Seine ovale Körperform wird von einer samtweichen, marmorierten Haut, die in einem rötlichen bis gelblich-braunen Ton gefärbt ist, geziert. Wie beim Großteil der Plattfische ist die Blindseite schlicht weiß. Sollte es trotzdem noch Probleme mit der Bestimmung der gefangenen „Scheibe“ geben, hilft ein Blick auf die Seitenlinie. Sie verläuft bei der Echten Rotzunge fast gerade über den Körper, macht nur bei der Brustflosse eine safte Biegung. Hauptsächlich treffen wir Microstomus kitt auf steinigen Böden zwischen Tiefen von 10 bis 200 Metern an. Würmer sowie anderes kriechendes und fleuchendes Kleingetier am Meeresboden sollten sich dort also vorsehen, denn sie stellen die Hauptnahrung für die Lomre, so der norwegische Name für die Limande, dar. Mit ausreichend Futter kann die Echte Rotzunge eine Länge von 65 Zentimeter und ein Gewicht bis zu 2,95 Kilo erreichen. Der aktuelle Norwegen-Rekord stammt aus 2004 und wurde mit 1,8 Kilo auf der Insel Andørja aufgestellt. Das Ende der Gewichts-Fahnenstange ist also noch lange nicht erreicht und mit Sicherheit tummeln sich auf den zahlreichen Plattfischstellen noch so einige rekordverdächtige „Lappen“.

Die Laichzeit der Echten Rotzungen beginnt im Frühjahr und zieht sich bis in den Sommer hinein. Von April bis August also halten sich die Limanden bevorzugt zwischen 50 und 150 Metern auf. Aus den im Freiwasser treibenden Eiern mit einem Durchmesser von 1 bis 1,5 Millimetern schlüpfen nach einer guten Woche vier bis fünf Millimeter lange Larven. Mit einer Länge von 1,5 bis 2 Zentimetern orientieren sich die bis dahin frei schwimmenden Larven Richtung Meeresboden. Diesen bevölkern die Echten Rotzungen übrigens von der Biskaya, in nördlicher Richtung um die Britischen Inseln, über die gesamte Nordsee, entlang der Küste Norwegens bis zum arktischen Weißmeer an der Küste Nordrusslands. Aber auch um Island und bis hinein ins Kattegatt können wir auf die schmackhaften Zungen treffen. Je weiter wir dann allerdings in die Ostsee vorstoßen, desto aussichtsloser wird ein Fangversuch.
Wer wirklich mal eine Echte Rotzunge landen kann, darf sich über einen sehr hochwertigen Speisefisch freuen. Alle gängigen Zubereitungsmethoden eigenen sich, um den Fisch in eine leckere Mahlzeit zu verwandeln. Versuchen Sie es einfach mal mit etwas Zitrone, denn im Englischen wird der Fisch als Lemon Sole (wörtlich übersetzt: Zitronensohle) bezeichnet – vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl? Übrigens ist die Echte Rotzunge nicht mit der Seezunge (Solea solea) verwandt, sondern eher mit der Kliesche (Limanda limanda). Diese stellt sie aber kulinarisch auf jeden Fall in den Schatten.