Der Conger

Geschrieben von Arnulf am .

Ein Aal wie ein Mann: Das ist ein echter Norwegen-Conger, gefangen im Jahr 2007Ein Aal wie ein Mann: Das ist ein echter Norwegen-Conger, gefangen im Jahr 2007Wenn wir an schlangenähnliche, schuppenlose Fische denken, fällt uns mit Sicherheit als erstes der Aal ein. Doch für diesen gilt in Norwegen seit dem 1. Juli 2009 wegen der extrem bedrohten Bestände ein striktes Fangverbot. Allerdings bevölkert ein weiteres Mitglied aus der Aalfamilie die felsigen Küsten und versunkenen Wracks des Ostatlantiks. Und dieser stellt Anguilla anguilla in Sachen Länge und Gewicht deutlich in den Schatten – die Rede ist vom Conger. Mit einer Maximallänge von drei Metern und einem Höchstgewicht von 100 Kilogramm ist der Conger oder Meeraal der größte Vertreter unter den Schlänglern. Männchen erreichen eine Durchschnittslänge von 100, weibliche Fische von 150 Zentimetern. Der wissenschaftliche Name des norwegisch

Havål genannten Meeraals ist leicht zu merken: Conger conger. Vom Namen Meeraal dürfen wir uns allerdings nicht täuschen lassen, denn der Conger ist mehr als ein zu groß geratener Aal aus dem Salzwasser. Den Conger zeichnet sein kräftiges Maul, das bis hinter die großen Augen reicht, aus. Die Kiefer sind mit langen, spitzen nach hinten gebogenen Zähnen bestückt, der Körper ist aalähnlich. Größte Unterschiede: Die Rückenflosse fängt beim Conger schon auf Höhe der Brustflossen an, beim Aal erst deutlich weiter hinten. Einen Kiemendeckel hat die große, dunkelbraun bis hellgrau gefärbte „Aal-Ausgabe“ nicht, sondern nur eine Kiemenöffnung. Wie sein kleiner Verwandter lauert der nachtaktive Conger am Grund. Hier finden wir den Havål in Felsspalten oder Wracks, aber auch unter Bootsanlegern in Häfen können wir auf das Kraftpaket treffen. Sein Verbreitungsgebiet reicht von den Küstengebieten des Senegals über die Kanaren und Azoren bis nach Mittelnorwegen und Island. Rund um die Britischen Inseln sowie an den Küsten der Iberischen Halbinsel fühlen sich die Schlänger besonders wohl und wachsen zu extremen Größen heran. Die Küstengewässer von Schwarzem und Mittelmeer mit ihren schroffen Felsen liefern dem Meeraal ebenfalls gute Lebensbedingungen. Meistens sind es Jungfische, die sich in den flacheren Küstenzonen aufhalten. Mit höherem Alter und einer längeren Körpergröße bevorzugen Conger eher tieferes Wasser, im Mittelmeer angeblich sogar bis über 1000 Meter Tiefe. Beim Conger setzt die Rückenflosse schon über den Brustflossen an, beim Aal erst weiter Richtung SchwanzBeim Conger setzt die Rückenflosse schon über den Brustflossen an, beim Aal erst weiter Richtung Schwanz
Wie der Aal laicht der Meeraal nur einmal im Leben. Erst mit fünf bis 15 Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Das Weibchen produziert drei bis acht Millionen Eier, aus denen rund 15 Zentimeter weidenblattförmige Larven schlüpfen. Übrigens findet das Conger-Laichgeschäft nicht wie beim Aal in der Sargassosee, sondern vor der Küste Portugals und im Mittelmeer statt.
Wie sieht’s beim Meeraal kulinarisch aus? Das feste Fleisch eignet sich zum Schmoren, Braten, Backen, Grillen oder als Eintopfeinlage. Allerdings gilt es geschmacklich eher als langweilig und vor allem sollte keine Grätenscheu bestehen, denn Gräten besitzt der Conger genug. Dennoch ist er in Teilen Spaniens und Frankreichs eine Spezialität. Das Blut sollte nicht mit unseren Schleimhäuten in Berührung kommen, denn es ist giftig.
Wichtig! Wem ein Stück Seeaal angeboten wird, hat es meist nicht mit Conger zu tun, sondern bekommt ein Stück Dorn- oder Heringshai vorgesetzt. Meine Meinung dazu: Haie gehören ins Meer und nicht auf den Tisch!
Für erfolgreiche Conger-Drills macht es Sinn, kräftige Geschütze aufzufahren. Bei ordentlich Tiefe und Drift kann die Rute schon mal die 50-lbs-Marke knacken. Dazu eine hochwertige Multirolle und schon können Sie versuchen, einen der starken Meeraale aus seinem Unterstand zu pumpen. Simple Montagen sind völlig ausreichend. Kernstück: ein Running Boom auf der Hauptschur, in den ein passendes Blei eingeklinkt wird. Einer Stopperperle folgt ein kräftiger Karabiner, in diesen hängen wir ein starkes Mono- oder Stahlvorfach ein und beködern die ein bis zwei Einzelhaken Größe 8/0 bis 12/0 mit einem „mackerel flapper“ (Makrele mit entfernter Mittelgräte) oder Tintenfisch, denn dies sind die Lieblingsspeisen des Congers. Auch andere Kopffüßer, Krebstiere und Fischchen – besonders Franzosendorsche – liebt Conger conger. Die besten Aussichten auf wirklich große Schlängler haben wir im Süden der Britischen Inseln in den Gewässern vor Plymouth. Jedoch war der norwegische Rekord für Havål, passenderweise im Ål­fjorden nahe Haugesund gefangen, mit 30,95 Kilo ebenfalls ein echter Brocken.