Der Haarbutt

Geschrieben von Arnulf am .

ZDer Haarbutt hat seine Augen auf der linken Körperseitewar haben wir bei der Vorstellung des Dornhais schon einmal Schillers Locken erwähnt, aber eine richtig haarige Angelegenheit war „Wer bin ich?“ bisher noch nicht. Damit ist jetzt Schluss, denn diesmal stellen wir Ihnen den Haarbutt vor. Den kennen Sie nicht? So ging es mir auch. Erst durch eine Meldung auf der Homepage einer dänischen Angelzeitung wurde ich auf den kleinen Flachmann aufmerksam. Zeugopterus punctatus, wie der Plattfisch wissenschaftlich heißt, erreicht lediglich eine maximale Länge von 25 Zentimetern und besitzt eine ovale Form. Die Augen wandern im Zuge der Transformation auf die linke Körperseite. Die Schuppen um die Augen bilden faden- oder borstenförmige Ansätze und sind ausschlaggebend für den Namen Haarbutt.
Der zur Steinbuttfamilie gehörende Zwergbutt – so eine weitere deutsche Bezeichnung, allerdings nicht zu verwechseln mit dem norwegischen Zwergbutt (Phrynorhombus norvegicus) – ist eine eher düstere Erscheinung: Seine dunkle, gelbbraune Färbung in Kombination mit einigen Flecken und kleinen Punkten tarnt ihn bestens am Grund. Außerdem kann er einen Unterdruck erzeugen und sich so am Gewässerboden festsaugen. Überwiegend auf steinigen oder felsigen Boden zwischen einem und 40 Metern lebt und jagt der Hårvar, Bergvar oder Hårflyndre – so die Namen im Norwegischen – Krebse und Weichtiere. Das oberständige Maul erscheint im Vergleich zur Körpergröße etwas zu groß geraten, die Schnauze ist spitz zulaufend. Weiteres besonderes Merkmal: Die Rückenflosse setzt vor den Augen am Oberkiefer an und ist über eine Flossenhaut mit der Afterflosse verbunden. Daher sieht es so aus,  als wäre der Fisch von einem Flossensaum umkreist. Im Normalfall ist die Laichzeit der Zwerg-Flachmänner zwischen März und Juni. Der Laich wird von den Weibchen ins freie Wasser abgegeben, wo sich die Eier zu Larven und weiter zu Jungfischen entwickeln. Mit einer Länge von drei bis vier Zentimetern entwickeln sich die kleinen, noch symmetrisch gebauten Fische zu Plattfischen. Nach der Metamorphose finden wir Zeugopterus punctatus in den Küstengebieten des ganzen Nordatlantiks: Vom norwegischen Trondheim reicht das Verbreitungsgebiet übers Skagerrak und die Britischen Inseln bis an die Küsten der Bretagne und Galicien (Biskaya). Auch vom Kattegat und Öresund bis in die Ostsee ist der kleine Cousin des Steinbutt anzutreffen.
Als Speisefisch taucht der Haarbutt auf keiner Karte auf. Bei seiner geringen Größe macht es auch wenig Sinn, die Pfanne heiß zu machen. Für die kommerzielle Fischerei spielt er ebenfalls keine besondere Rolle, durch Überfischung sind die Bestände also nicht bedroht. Dass dennoch so wenige Exemplare an die Haken gehen, liegt ja vielleicht an der nahen Verwandtschaft zum Steinbutt – der zeigt sich ja auch immer wieder als fast unfangbar. Der aktuelle norwegische Angelrekord liegt bei 0,140 Kilogramm und wurde im Oktober 2001 auf der Insel Osterøy in der Nähe von Bergen aufgestellt. Der dänische Angelrekord für Hårhvarre (Name auf Dänisch) steht übrigens bei 20,3 Zentimetern. Wenn man bedenkt, dass die maximale Länge bei 25 Zentimetern liegt, schon ein echter Brocken! Gebissen hat dieser Haarbutt auf einen Köder am Makrelenpaternoster. Wieso sollten die Fische aber nicht auch auf Heringsvorfächer, die nah am Grund geführt werden oder klassische Plattfischmontagen mit Wattwurm oder Fischfetzen bei Ihrem nächsten Norwegenurlaub einsteigen?