Der Große Rotbarsch

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Vorsicht: An den Kiemendeckeln sitzen spitze DornenVorsicht: An den Kiemendeckeln sitzen spitze DornenDer nächste Schuppenträger in unserer Rubrik ist vielen Norwegenfahrern schon einmal begegnet: der Große Rotbarsch, auch Goldbarsch genannt. Dieser rote Gaumenschmaus, der zu den beliebtesten Speisefischen Deutschlands zählt, bietet trotzdem genug Interessantes, um genauer betrachtet zu werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Rotbarsch gar kein Barsch ist? Sebastes marinus, so der wissenschaftliche Name, gehört zur Ordnung der Panzerwangen oder auch Drachenköpfe (Scorpaeniformes) und ist somit näher mit einem Knurrhahn oder Seehasen verwandt als mit einem Wolfsbarsch. Im Norwegischen wird der Fisch als Uer oder Rødfisk bezeichnet. Der aktuelle norwegische Landesrekord für Uer liegt bei 9,02 Kilogramm und einer Länge von 83 Zentimetern und wurde vor Sørøya aufgestellt. Im Extrem bringen es Große Rotbarsche aber auf wahnsinnige 15 Kilo! Typisch für den Fisch sind die rote Färbung und die für Tiefseebewohner kennzeichnenden großen Augen. Vom kräftigen Rot hebt sich die Bauchseite in einem helleren Ton ab. Vorsehen sollten wir uns vor den giftigen Dornen an den Kiemendeckeln des Rotbarschs. Eine unglückliche Berührung löst schmerzhafte Schwellungen der betroffenen Stellen aus.
Rotbarsche wachsen extrem langsam, werden dafür aber mit einem Durchschnittsalter von über 50 Jahren sehr alt. Der älteste Rotbarsch wird sogar mit 60 Jahren angegeben. Erst mit einer Länge von 38 bis 41 Zentimetern, also nach rund 12 bis 15 Jahren, wird der Drachenkopf geschlechtsreif. Zwischen März und Juni findet die Laichzeit statt, bis dahin reifen die Eier im Mutterleib heran und werden als Larven geboren. Bis zu 150.000 Baby-Rotbarsche von rund acht Millimetern Länge entlässt jeder Mutterfisch dann in die Freiheit der Fjorde und des Ozeans.
Woher der Name kommt, ist klar: Der Rotbarsch ist sehr grell gefärbtWoher der Name kommt, ist klar: Der Rotbarsch ist sehr grell gefärbtHauptnahrung des Großen Rotbarschs sind neben Krebstieren Jungfische. Diese findet er in großen Tiefen am Meeresgrund. Der Rødfisk hält sich zwischen 100 und 1000 Metern, für gewöhnlich aber zwischen 100 bis 500 Metern Tiefe, sowie bei einer Wassertemperatur von 3 bis 7 Grad Celsius auf: Hier sammeln sich die Fische in Schwärmen. Das Verbreitungsgebiet des Uer reicht von Spitzbergen über Island nach Grönland, bis ins Skagerrak und die Gewässer der Britischen Inseln. An der nordostamerikanischen Küste ist er vom Norden Grönlands über Labrador bis an die Küsten New Jerseys zu finden. Insgesamt gibt es vier Rot-
barscharten im Nordatlantik. Neben dem Großen Rotbarsch geht allerdings nur eine weitere Art, Sebastes viviparus (Kleiner Rotbarsch), häufiger an unsere Haken. Das Filetieren der maximal 35 Zentimeter langen Fische ist allerdings etwas mühsam.  Das feste, rot-weiße und sehr schmackhafte Fleisch von Sebastes marinus macht das Tiefsee-Großauge zu einem der gefragtesten Speisefische überhaupt, hinzu kommt die Vielseitigkeit der Zubereitung. Es lässt sich kochen, dünsten, pochieren, backen, braten oder auch räuchern.
Um eine Mahlzeit Drachenköpfe aus der Tiefe zu holen, benötigen wir vor allem entsprechende Vorfächer und ausreichend schwere Bleie. Typisch für Rotbarsch-Vorfächer ist eine Gesamtlänge von bis zu zehn Metern, auf denen sieben bis acht Haken oder kleinere Gummi-Makks sitzen. Schicken wir die Greifer mit kleinen Fischfetzen bestückt auf Tauchfahrt und haben einen Hotspot gefunden, gilt meist: „Ein Rotbarsch kommt selten allein!“ Und schon sammelt sich das Rot in der Fischkiste, das echte Gaumenfreuden verspricht...
Timo Keibel