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Arnulf Ehrchen
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Digitalbilder sind eine tolle Sache, trotzdem lieben viele immer noch ihre guten alten Fotoalben. In der Redaktion finden sich gleich mehrere Fans von Fotos auf Papier. Regelmäßig werden deshalb aus digitalen Daten von dicken Barschen, fetten Hechten oder starken Karpfen echte, schöne Bilder zum Einkleben ins Album. Das Ganze geht schnell, kostet bei den vielen Drogerie- oder Fotoketten kleines Geld – und die Qualität ist im Schnitt völlig okay. Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre. Als echter Allrounder bekomme ich fast immer eine bunte Mischung an Abzügen zurück: ein stark gezeichneter Hecht auf Wobbler, ein silbern schimmernder Zander, ein bronzefarbener Brassen, ein kastanienbrauner Karpfen, eine schöne, schwarzäugige Schleie... Halt! Da stimmt irgendwas nicht. Ich blättere den Bilderstapel zurück und betrachte das Bild wieder und wieder. Die innere Stimme ist empört, aber hilft mir trotzdem nicht gleich auf die Sprünge. Gut, die Kontraste haben sie bei der Bearbeitung vielleicht etwas weit hochgedreht, aber das ist nicht alles. Endlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Die Augen! Diese Schleie, an deren Biss ich mich noch genau erinnere, hat jetzt nicht mehr kräftig orangefarbene, sondern lässt mich mit ihren schwarzen, fast toten Augen auf dem Abzug an Gestalten aus Horrorfilmen denken. Fies, einfach nur fies! Offensichtlich haben die Bildbearbeiter – sicher in guter Absicht – bei diesem Digi die Rote-Augen-Korrektur angewendet, mit der sonst vom Blitz verfärbte Augen von Partygästen wieder auf „menschlich“ gedreht werden. Naja, die Schwarzaugenschleie wird wohl ein einmaliger Ausrutscher gewesen sein. Doch vor kurzem haben die Jungs an den Bildrechnern dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Ich sitze in der Bahn Richtung verschneite schleswig-holsteinische Heimat. Zum Glück verwehrt mir die Dunkelheit den Blick auf die trostlosen Weiten, die mit einem halben Meter Schneedecke ganz klar machen: Bis dieser Winter endlich vorbei ist, wird’s wohl noch lange dauern. Egal, das Blättern in den eben abgeholten Abzügen meiner schönsten Fische 2009 wird die Stimmung sicher wieder aufhellen und mich von neuen Taten in der Saison 2010 träumen lassen. Die Fotos sind nicht chronologisch sortiert, deshalb folgt auf den Dezember-Zander ein Dorsch aus dem August, eine Schleie aus dem Mai und dann ein Februar-Rotauge. Aber als ich dem Zwei-Pfund-Brocken in die Augen schaue, trifft mich fast der Schlag! Ausgerechnet einem Rotauge hat diesmal die Rote-Augen-Korrektur sein Markenzeichen in ein tiefes Schwarz verwandelt. Gibt’s doch nicht! Für mich immer wieder erstaunlich, wie wenig viele Nichtangler offensichtlich über Fische wissen. Schmunzeln muss ich trotzdem, als ich diesen 10 x 15 Zentimeter großen Beweis für Übereifer bei der Bildbearbeitung noch einmal betrachte. Bei den nächsten Abzügen werde ich wohl einen dezenten, aber eindeutigen Hinweis auf die CD schreiben: Bitte keine Rote-Augen-Korrektur!
Arnulf Ehrchen |
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