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Trau keinem Wetterfrosch (03/2009) |
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Christopher Paschmanns
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Für einen eingefleischten Karpfenangler wie mich ist der Winter eine harte Zeit. Klar, auch bei Frost müssen Rüssler fressen, aber die Beißzeiten sind oft kurz und wechselnde Bedingungen machen es nicht leichter. Erst kürzlich aber keimte bei mir richtig Hoffnung auf: Milde sechs Grad meldete der Wetterbericht und konstant sollten sich die Bedingungen auch halten. Fantastisch, die Chance, einen schönen Winterkarpfenartikel zu produzieren! Aber verspielen wollte ich sie nicht, darum gab ich mir besonders Mühe bei der Winterstellenwahl und fütterte regelmäßig vor. Das Gewässer, ein kleiner Baggersee mit dichtem Karpfenbestand, war schnell gefunden. Auch die Stelle: Im Schutze der ufernah versunkenen Birke mussten sich einfach ein paar Karpfen aufhalten! Allabendlich huschte ich wie ein Schatten durch den kleinen Wald zum See, zwei Kilometer Fußweg bis zur Angelstelle. Auf leisen Sohlen, jedes Licht vermeidend, schlich ich am Ufer entlang, wo nur noch die Wurzeln des Baumes aus dem Wasser ragten. Angekommen, schleuderte ich ein paar hundert Gramm Boilies mit einer Futterkelle auf die Stelle, wo ich die dicken Winterspiegler vermutete. Zu laut für meinen Geschmack hagelten die 14-Millimeter-Murmeln auf die Oberfläche. Montag, Dienstag, Mittwoch fuhr ich füttern – die Tage verstrichen, das Wetter blieb konstant, meine Vorfreude wuchs. Donnerstagabend packte ich meine Sachen: den dicken Fleece-Schlafsack, Zelt mit Überwurf und was für eine gemütliche Winternacht noch so dazu gehört... „Morgen ist es soweit“, freute ich mich, „der erste Karpfen der Saison!“ Nur zum Füttern musste ich noch ein letztes Mal los. Doch was war das? Nie hatte ich in den letzten Tagen auf dem Weg zum Platz gefroren. Jetzt zitterte ich und die Schwaden meines Atems nahmen mir die Sicht. Und wo waren die dichten Wolken hin, die so schön für konstante Temperaturen sorgten? Weg! Sie hatten einem höhnisch strahlenden Sternenhimmel Platz gemacht, der das bisschen Bodenwärme entweichen lies. Ich fror und über Nacht tat das auch der See: gefroren. Wie meine Hoffnung. Die Träume von rasenden Rollen und wuchtigen Winterkarpfen unter Eis begraben. Aber was soll’s. Kopf hoch, denn wenn Sie diesen Text lesen, ist schon bald wieder März. Dann sollten die Seen offen sein und Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Außerdem gibt's ja noch Salzwasserfische zu fangen. Die Ostsee jedenfalls friert nicht so schnell zu. Nur eines hat sich wieder mal bestätigt: Traue keinem Wetterfrosch. |
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