Redakteur
24. August 1976
Bremen
verheiratet
Äsche, Bach-, Regenbogen- und Meerforelle, Hecht und Zander
ganz Skandinavien
Angeln, Reisen, Fotografieren, Fliegenbinden

 

Ein Goldfisch an der Leine
Die Goldfische in Nachbars-Teich faszinierten mich kurz nachdem ich der Windel entsprungen war. Die Fang-Versuche mit der Hand waren erfolgreich, aber nicht befriedigend. Also folgte der erste Ansitz mit Sicherheitsnadel oder krummen Nägeln an Paketband und Bambusrute geknotet. Die Angst unserer Nachbarin, das "Theo" oder "Berta" in meiner Pfanne landen könnten, scheiterte an „Hakengröße“ im Verhältnis zum Fischmaul. Es folgten viele Schneidertage. Dann stand mit sieben Jahren eine Reise in die Bretagne an. Im Hafen von Sant Malo lernte ich Simon aus England kennen, der täglich den Fischbedarf einer Kleinfamilie fing. Ich hingegen hätte von meinen Fang-Erfolgen noch nicht einmal mich ernähren können. Mit meinem Angel-Set aus dem Hafenladen lief's nicht gut. Seine Ausrüstung kam mir irgendwie bekannt vor: Bambusrute,…! Ja, es ging sogar soweit, dass sich Unbekannte ein Herz nahmen und meinen Eimer mit Fischen füllten! Nach drei Wochen erfolgloser Angelversuche verlor ich für drei Jahre meine Angel aus den Augen. Dann kam in der sechsten Klasse der entscheidende Vorschlag eines Schulfreundes: „Samstag ins Angelzentrum?“ Klar! Ich sehe noch heute die Pose an der Rute aus der Bretagne untergehen. Elmar ElfersMit dem Anhieb verlor ich meine anglerische Jungfräulichkeit. Meine erste Forelle wanderte in den Kescher, den Eimer und später in meinen Magen. Ich war mit dem Angelvirus infiziert.
Am nächsten Tag stand ich im Angelladen und kaufte alles, was ich irgendwann mal brauchen könnte. Während andere zum Fußball gingen, plante ich Schleiensitzungen oder Aalnächte. Der Eintritt in den örtlichen Angelverein ließ mein Angelleben aufleben: Jugendsprecher und anschließend Jugendwart, über zwölf Jahre Vorstandsarbeit und in jeder freie Minute am Wasser - Lesum und Weser waren meine Hausgewässer. Ach ja, die Schule habe ich auch von innen gesehen. Goethes "Faust" war kurz vor dem Abi mein ständiger Begleiter am Wasser. Nach der Prüfung stand dann aber wieder Angeln ganz oben. Meinen Zivildienst leistet ich beim Behinderten- und Krankenfahrdienst in Bremen. Extraschichten und Überstunden waren mein Ding - Dänemark sah mich zwischen drei und sieben Tagen pro Monat. Dann die Orientierung: ein erstes Drei-Wochen-Praktikum bei Rute & Rolle stand an. Ein Jahr später folgte die dreiwöchige Fortsetzung. Danach stand für mich fest: da will ich hin!
Aber erst einmal begann ich, wie fast jeder, mit freier Mitarbeit. Wenn die Salmoniden Schonzeit hatten, beschäftigte ich mich in den Fächern Soziologie und Kulturwissenschaften mit Engels, Marx und der deutschen Geschichte an der Bremer Uni. Meine Familie wusste aber, wenn Hamburg ruft, bin ich da. Und Hamburg rief: Volontariat ab April 2006 mit anschließender Festanstellung. Seitdem dreht sich morgens, mittags und abends alles ums Angeln.