Urlaub (08/2009)

Urlaub! Kleine Hütte, am besten direkt am See, vielleicht noch mit Boot und vielen Fischen im Wasser. So sieht mein perfekter (Angel-) Urlaub aus. Damit muss ich meiner Freundin Simone aber nicht kommen. „Ihr fischt auf Euren Dienstreisen genug. Dann musst Du nicht auch noch im Urlaub die ganze Zeit angeln.“ Wegen des häuslichen Friedens, bot ich für 2009 an: „Ok, Du bestimmst, wo es hingehen soll und ich komme mit. Nur wir zwei, ohne Angel.“ Schon verschwand sie in den Weiten des Internets und recherchierte fleißig. Als sie mir ihre Wahl offenbarte, fiel ich aus allen Wolken. Es hätte doch Italien, Spanien, Frankreich oder England sein könnnen. Nein, sie wollte unbedingt ins Angelland Nummer eins: USA. Und wenn das noch nicht genug wäre, auch noch nach Florida! Von einer Reise vor elf Jahren wusste ich: Hier schwimmen die absoluten Kraftpakete im knietiefen Wasser. Vor meinem geistigen Auge tobten silberne Tarpons, pfeilschnelle Bonefishe und starke Permits an der Fliege.....  Aus meinem perfekten Tagtraum riss mich folgender Satz: „Denk dran: Die Angel bleibt hier.“ Sofort legte ich mein „So-bekomme-ich-alles-Gesicht“ auf und erhielt zwei Tage für mich und meine Rute. Geht doch. Einmal vom Boot und einmal vom Ufer. „Aber ohne Guide – die sind zu teuer!“ Anfang Juni ging's los. Von Hamburg nach Tampa. Im Land der unbegrenzten Angelmöglichkeiten saß ich hinter dem Lenkrad und steuerte die Läden an, in denen Männer wieder zu kleinen Jungs werden: Bass Pro Shops. Mit große Augen ging es durch unzählige Gänge voller Ruten, Rollen, Köder, Kleidung, Booten und was man(n) sonst noch irgendwann mal brauchen kann. Nach gut zwei Stunden holte ich meine Freundin vor dem hauseigenen Aquarium ab. „Es schwimmen genau 83 Fische im Becken...“. Ich hatte wohl die Zeit aus den Augen verloren. Mit vollen Taschen ging es nach Hause und am nächsten Tag aufs Boot. Hebel auf den Tisch und ab ins flache Wasser vor Sanibel Island. Ein ausgedehntes Krautfeld in knapp einem Meter Tiefe war mein Ziel. Popper ans Band und raus damit. Schon der erste Wurf brachte mir vor der traumhaften Insel eine amerikanische Meerforelle an den Köder. Es folgten weitere. Keine Riesen, aber eben Fische. „Jetzt will ich aber auch mal“, bat Simone vom Heck her. Das Ergebnis: Alle paar Minuten baumelte mir eine Meerforelle vor der Nase: „Mach mal ab!“ Ja, so hatte ich es mir vorgestellt: Den Anglern auf den Nachbarbooten beim Drillen zuschauen und meiner Freundin die Fische vom Haken lösen... Aber es stand ja noch das Uferangeln an. Auf Anna Maria Island wartete eine fischverdächtige alte Mole auf mich, vor der die Fische meiner Tagträume raubten. Schnell zog ich einige Meter von der Fliegenrolle und servierte den Snooks und Spanischen Makrelen meine Fliege. Bei den vielen großen Fischen sah es nach einem Elfer ohne Torwart aus. Ich freute mich auf wilde Fluchten vor der untergehenden Sonne. Was soll ich sagen? Im beginnenden Regen zog ich einen vorwitzigen Fisch aus dem Wasser, der mich auch noch anknurrte! Am Ende der Reise schauten wir in einen traumhaften Sonnenuntergang und Simone meinte: „Nächstes Mal lassen wir uns von einem Guide an die richtig Großen führen.“  Ach... .

 

 
 
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