Der gute Ruf des Schlangenkopffischs

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Als Protagonisten zahlreicher B-Movies werden Schlangen­kopffische als gefrässige Räuber dargestellt. Die Identifikation der einzelnen Arten in dieser Fischgruppe gestaltete sich bis­her als ausserordentlich schwierig. Ein Team von Wissen­schaftlern um Dr. Lukas Rüber vom Naturhistorischen Muse­um Bern bringt nun Ordnung ins Chaos.

Wissenschaftlich gesehen sind Schlangenkopffische eine kleine Gruppe von 38 anerkannten Arten, die in den Süssgewässern Afrikas und Asiens vorkommen. In ihren Herkunftsländern sind sie wichtige Speisefische. Einige Arten werden in der Aquakultur eingesetzt. Immer wie­der wurden diese Arten in unterschiedlichen Teilen der Welt eingeführt und haben sich dort etablieren können. Die korrekte Artidentifizierung von Schlangenkopffischen hat sich oft als schwierig herausgestellt und hat zu zahlreichen Fehlidentifikationen geführt – auch bei den wenigen invasiven Arten. Auffällige Veränderungen in der Färbung zwischen Jungtieren, Halberwachsenen und Erwachsenen und historisch bedingte Unterschiede in der Interpreta­tion der Artabgrenzungen haben zu Unsicherheiten geführt.

Artidentifizierung mithilfe von DNA Barcodes

In den letzten Jahren wurden vermehrt DNA-Barcodes, kurze DNA-Sequenzen eines Gens aus
dem Mitochondrium, bei der Identifizierung potentiell invasiver und bereits etablierter Schlangenkopffischarten benutzt. Dr. Lukas Rüber vom Naturhistorischen Museum Bern und ein internationales Team von Wissenschaftlern, darunter einige der führenden Taxonomen von Schlangenkopffischen, haben umfangreiche genetische Untersuchungen an Schlangenkopffischen durchgeführt. Sie haben hunderte von neuen DNA-Barcodes produziert, denen Tieren zu Grunde lagen, die von Schlangenkopffisch-Experten bestimmt worden waren. In einem zweiten Schritt verglichen sie ihre DNA-Barcodes mit denen, die von anderen Forschergruppen in GenBank, einer DNA-Sequenzdatenbank, hinterlegt worden waren. In ihrer heute veröffentlichten Studie in der Zeitschrift PLOS ONE, stellten Rüber und sein Team fest, dass über 16% der in GenBank hinterlegten Schlangenkopffisch DNA-Barcodes von falsch identifizierten Arten stammen.

Artenzahl des Schlangenkopffischs liegt deutlich höher

Die Resultate dieser Untersuchung zeigen darüberhinaus, dass die Artenzahl in der Familie der Schlangenkopffische wohl deutlich höher liegt als bisher angenommen. Die höhere Artenzahl ist vor allem darauf zurückzuführen, dass kürzlich mehrere unbeschriebene Arten mit punktartigen Verbreitungsgebieten aus dem ost-himalayischen Biodiversitäts-Hotspot bekannt wurden. Weiter hat die genaue Untersuchung von weitverbreiteten Arten ergeben, dass diese in geographisch klar definierte und genetisch unterschiedliche Gruppen zerfallen. Das hat dazu geführt, dass die Anzahl Schlangenkopffisch Arten bisher unterschätzt wurde.

Schlangenkopffische sind natürlich keine menschenfressenden Horrorkreaturen, sondern farbenfrohe,
faszinierende, hochspezialisierte Süsswasserfische, die aussergewöhnliche Verhaltensweisen
zeigen. Sie können stundenlang ausserhalb des Wassers überleben dank eines zusätzlichen Atmungsorgans. Sie zeigen ein aufwändiges und kompliziertes Fortpflanzungs- und Führsorgeverhalten, etwa beim Bauen eines Nestes und dem Betreuen der Eier und Jungfische. Die Mehrzahl der Schlangenkopffischarten hat es gar bis zur Maulbrutpflege gebracht, der am weitesten entwickelten Form der Brutfürsorge bei Fischen.

Text & Bild: Dr. Lukas Rüber
PM: Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern

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